Der Wert der Öffentlichkeit


Seit ungefähr 6 Jahren betreibe ich meine Internetseite www.medienistik.de, die mit dem Ziel gestartet ist, selbst verfasste Texte und Arbeitsmaterialien zur Medienpädagogik zu verbreiten.

Da ich bewusst auf Werbung verzichte, bringt mit diese Seite zwar finanziell betrachtet nur Verluste, aber durch sie bekomme ich in unregelmäßigen Abständen Anfragen von Verlagen und Bildungseinrichtungen. So entstanden nicht nur mehrere Publikationen, die die Kosten für den Betrieb der Seite beglichen, sondern auch viele Kontakte mit Gleichgesinnten, Einladungen zu interessanten Veranstaltungen und Ideen für neue Projekte.

Anlass für diese kleine Reflexion über meine persönlichen Vorteile, die ich aus der Öffentlichkeit ziehe, ist ein Blogbeitrag von Jeff Jarvis, den ich an dieser Stelle einmal (so gut ich es kann) ins Deutsche übersetze:

Öffentlichkeit schafft und verbessert Beziehungen. Man muss sich mitteilen und offen sein, um Beziehungen zu knüpfen. Wenn man sich dazu entscheidet, nicht öffentlich zu sein, riskiert man, diese Beziehungen zu verlieren.

Öffentlichkeit ermöglicht Zusammenarbeit. Das ist die „Beta-Lektion“: Wenn man das, woran man arbeitet, öffentlich macht, lädt man Menschen dazu ein, das Gemachte zu verbessern. Das ist auch die Philosophie der Open-Source-Software.
Öffentlichkeit schafft Vertrauen. Heimlichkeit nicht.

Öffentlichkeit tötet den Mythos der Perfektion. Wenn wir unseren Arbeitsprozess öffnen, zeigen wir unsere Fehler und können dem Mythos der Perfektion entkommen, der unsere Arbeitsprozesse im Industriezeitalter bestimmt.

Öffentlichkeit entschärft Tabus. Öffentlichkeit war die wagemutige Waffe, mit deren Hilfe Schwulen und Lesben sich outeten. Ich sage nicht, dass Menschen dazu gezwungen werden sollen, sich zu outen, es ist ihre Wahl. Aber wenn sie es tun, dann treten sie den Fanatikern entgegen, die Homosexualität zu einem Tabu machen und entwaffnen sie.

Öffentlichkeit gewährt Unsterblichkeit (Nachricht an Andrew Keen: Das ist ein Witz). Öffentlichkeit gewährt zumindest Vertrauen und bietet einen Nährboden für Ideen und schöpferische Tätigkeiten.

Öffentlichkeit ermöglicht die Weisheit der Masse. Wenn wir alle unsere Information, unser Wissen und unsere Ideen für uns behalten, verliert wir alle gemeinsam etwas.

Öffentlichkeit organisiert uns. Siehe Clay Shirky. Die Rechte auf Meinungsäußerung und Versammlung gehen Hand in Hand. Wenn wir aufstehen und sagen, wer wir sind, können wir Gleichgesinnte finden und Dinge zusammen tun.

Öffentlichkeit beschützt. Das wird kontrovers diskutiert, aber das Wissen darum, dass die eigenen Handlungen öffentlich gemacht werden könnten, beeinflusst uns. Darum bin ich nicht gegen Kameras auf dem Times Square, um den nächsten Selbstmordattentäter zu fassen.

Öffentlichkeit ist ein Wert an sich. Ich führe hierzu das Argument an, dass das, was öffentlich ist, auch der Öffentlichkeit gehört – ob es nun um Aktionen der Regierung geht oder um Bilder, die in der Öffentlichkeit gemacht wurden – werden diese Handlungen verhindert, werden wir, die Öffentlichkeit, beraubt.

Ein Kommentar zu “Der Wert der Öffentlichkeit

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