Statement zur Adz-Strategiekonferenz in Wolfsburg


Für mich ist das Archiv der Zukunft der erste erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenschluss von Menschen, die einerseits unzufrieden sind mit den deutschen Bildungsinstitutionen und andererseits in ihrem je eigenen Fachgebiet mithelfen wollen, diese Situation zu ändern. Der 2008 ausgerichtete Bildungskongress am Bodensee hat eindrucksvoll gezeigt, dass ein Austausch dieser unterschiedlichen Fachgebiete etwas bietet, was man an keiner Universität und auf keiner anderen Bildungsveranstaltung finden kann: Aufbruchsstimmung.

Mein persönlich auf dem Kongress geknüpftes Netzwerk ging jedoch aufgrund mangelnder Austauschmöglichkeiten im Laufe der Jahre immer weiter verloren. Zwischenzeitlich ereignete sich der tiefe Fall des AdZ-Stars Hartmut von Hentig und die Absage des Kongresses 2010 aus Geldmangel.

Zum Glück wurden von engagierten Mitgliedern Regionalgruppen ins Leben gerufen, in denen ich neue Kontakte geknüpft und bereits bestehende vertieft habe. Die auf diesen „pädagoischen Stammtischen“ besprochenen Vorschläge wurden jedoch kaum über die Grenzen der Teilnehmer hinweg besprochen.

Drei Forderungen für ein „echtes“ Bildungsnetzwerk

Als Medienpädagoge halte ich vor allem die folgenden drei Punkte für grundlegend, um das Adz-Netzwerk zu beleben und die dort entstehenden Projekte und Ideen weiter zu verbreiten:

1. Überarbeitung der Homepage

Die bisherige Homepage sowie die dort präsentierten Arenen hatten vielleicht einmal ihre Berechtigung, sind jedoch mittlerweile zum größten Teil funktionslos. Niemand weiß, was sich hinter Schlagwörtern wie „Die Neu-Deutschen“, „Undiszipliniertes“ oder „Große Projekte“ verbirgt. Wagt man einen Klick, so finden sich meist Links zu nicht uninteressanten Artikeln und Reportagen; 38 dieser Arenen sind jedoch eindeutig zu viel. Viele Inhalte sind zudem veraltet; so finden sich z. B. noch immer Fragen & Antworten zum abgesagten Kongress 2010.

2. Einrichten einer neuen Online-Plattform zum Austausch der Mitglieder

Ein Netzwerk besteht aus Knotenpunkten und Verbindungen. Momentan laufen alle Informationen über den zentralen Knoten der Hauptstelle, bevor sie auf der Homepage veröffentlicht werden. Dahinter steht letztendlich das Ideal der Zeitschrift, d. h. im Prinzip könnte man die Artikel der Homepage auch als Druckerzeugnis verkaufen. Es finden sich viele schöne Artikel und Bilder, die man sich gerne anschaut. Das ist jedoch kein Netzwerk, denn dort gibt es Widersprüche, kontroverse Ideen, Spannungen, Konflikte, die einen persönlich bereichern und die eigenen Ideen voranbringen. Das fehlt bislang, könnte jedoch durch eine für alle offene Plattform im Internet ermöglicht werden, auf der sich Leute zoffen und direkt miteinander kommunizieren können.

Als Vorbild kann hier die TED-Seite (www.ted.com) dienen. Dort gibt es wenige Kategorien (die sich zudem mit Namen wie „funny“, „persuasive“ oder „inspiring“ nicht so ernst nehmen), jeder kann Vorträge kommentieren und auf der Startseite gibt es kurze Hinweise zu offiziellen TED Blog-Einträgen, Forumsbeiträgen und Neuigkeiten.

3. Mehr Videos

Es wundert mich sehr, dass der Internetauftritt eines Netzwerks, das aus Filmen heraus geboren ist, so wenige Filme zeigt. Es wäre wünschenswert, wenn das wahrscheinlich reichhaltig vorhandene Filmmaterial dazu genutzt werden würde, Beiträge zu veranschaulichen. Momentan finden sich bei den News oft nicht einmal Bilder. Das Logo ist schön bunt, der Rest schwarz-weiß.

Fazit: Die Idee des adz-Netzwerks ist genial: Alle Menschen, denen die Zukunft der Bildung am Herzen liegt, können sich austauschen und ihre Ideen und Projekte präsentieren. Der Bodenseekongress hat diese Idee Wirklichkeit werden lassen; in der Folgezeit fiel das Netzwerk jedoch in den Winterschlaf. Der Kongress 2011 sollte daher der Startschuss zu einem neuen, effektiveren und bunteren Austausch aller Mitglieder werden. Organisationen wie TED machen uns vor, wie es gehen könnte, Ideen nicht nur im kleinen Kreis, sondern mit Hilfe des Mediums Film in die ganze Welt hinauszutragen.

9 Kommentare zu “Statement zur Adz-Strategiekonferenz in Wolfsburg

  1. Hallo Tobias,

    konntest Du die drei Punkte vorbringen? Wie wurden sie aufgenommen? Ich finde den Verweis auf TEDx spannend. Könnte man nicht das Archiv von Reinhard Kahl dafür nutzen und weitere Beispiele „guter“ Schulen einstellen?

    Ich konnte – wie vielleicht gehört – wegen einer Autopanne nicht zur Konferenz erscheinen. Sieht man sich denn auf dem ADZnrw Treffen oder auf dem #echb?

    Gruß,

    Felix

    • Hallo Felix,

      schade, dass Du nicht kommen konntest! Habe auf Twitter von Deiner Panne gelesen 😦

      Ich persönlich fände es toll, das gesamte Filmmaterial ins Netz zu stellen, aber das bringt wahrscheinlich einige rechtliche Probleme mit sich. Außerdem wurde auf der Strategiekonferenz viel übers (nicht vorhandene) Geld geredet und das wird ja auch nicht mehr, wenn man die Filme kostenlos ins Netz stellt 🙂

      Wir haben über dieses Thema auch kurz in der Arbeitsgruppe geredet, aber es ging in erster Linie darum, wie wir uns besser vernetzten können und was wir für den nächsten Kongress planen. Insofern bin ich recht zufrieden mit dem Arbeitsergebnis, weil wir viel über die Homepage und eine neue Online-Plattform gesprochen haben.

      Mein Vorschlag wäre es ja, eine Mixxt-Plattform für das Netzwerk einzurichten – was hältst Du davon?

      Ich habe gerade das Protokoll unserer Gruppe fertig gestellt und werde Dir eine Kopie per Mail schicken.

      Liebe Grüße!

      • Auch die mixxt-Plattform bringt per se kein Mehr an Kommunikation. Kommunikation ergibt sich immer dann, wenn es Probleme gibt. Von daher muss eine Nicht-Kommunikation nicht unbedingt schlecht sein.

        Vielleicht haben die einzelnen Schulen und Gruppen kein größeres Interesse an einem Austausch? Oder ist das unpädagogisch, wenn man das so behauptet? 😉

  2. Hi Felix,

    also ich glaube schon, dass der ganze Aufbau und die offenere Form der Mixxt-Plattform dazu führt, dass mehr kommuniziert wird. Die These „Kommunikation ergibt sich immer dann, wenn es Probleme gibt“ ist zwar richtig, aber Kommunikation entsteht auch dann, wenn Leute Projekte planen, sich austauschen und mehr von dem anderen erfahren wollen. Und darum geht es ja m. E. im AdZ-Netzwerk.

    Auf Deinen Hinweis hin habe ich mir einmal die Seite von Educamp in Bremen angeschaut (http://educamp.mixxt.de/). Die Seite finde ich hervorragend – so etwas wünsche ich mir auch für das AdZ-Netzwerk.

    Die Strategiekonferenz hat gezeigt, dass es sehr viel Bedarf an Austausch gibt, aber es fehlt die Plattform, von daher glaube ich, dass uns das (vor allem in Bezug auf die Vorbereitung des Kongresses) wirklich weiter helfen würde.

  3. Noch eine kleine Nachfrage… 🙂 Du schreibst:

    Die Strategiekonferenz hat gezeigt, dass es sehr viel Bedarf an Austausch gibt, aber es fehlt die Plattform, von daher glaube ich, dass uns das (vor allem in Bezug auf die Vorbereitung des Kongresses) wirklich weiter helfen würde.

    Besteht wirklich Bedarf nach Austausch, oder ist es eher der Wunsch der ADZ-lerInnen nach Austausch? Wenn der Bedarf besteht: Warum nutzt man nicht schon die vielen Kanäle, die sich anbieten? Das Forum ist ja bereits geöffnet, es gibt Twitter, Blogs und andere dezentrale Netzwerke. Bereits viele Lehrende haben sich über diese Netzwerke miteinander verbunden und stehen so in einem regen Austausch. Dies betrifft sowohl Materialaustausch wie auch die Unterrichtsreflexion.

    Meine bisherigen Erfahrungen bei der Etablierung von Foren (z.B. http://www.lehrertreff.net/) ist: Man kann einen Bedarf nicht erzwingen – und man kann Foren nicht mit einem Masterplan erfolgreich machen. Die diversen Lehrer-Foren der Verlage zeigen dies sehr deutlich. Selbst mit Materialbörsen fördert man keinen Erfahrungsaustausch, sondern zieht nur die Konsumenten an.

    Daher würde ich nicht über die technische Seite an die Sache heran gehen wollen, sondern über eine grundsätzliche: Welche Ziele hat ein Netzwerk? Und welche Partizipationsmöglichkeiten werden den TeilnehmerInnen dabei eingeräumt? Die Absage des Kongresses im letzten Jahr ist sicherlich nicht bei allen nur wohlwollend aufgenommen worden.

    Zur Klarstellung: Die Webseite bedarf einer Überarbeitung! Hier fliegen ja bereits erste Späne. Eine übersichtlichere Struktur schade nicht! Keine Frage.
    Man darf davon nur nicht erwarten, dass plötzlich das Engagement der Mitglieder des Netzwerkes in die Höhe schnellt. Dafür bedarf es eines formuliertes Zieles, eines gemeinsamen Problems, an dem gearbeitet wird.

    Gruß,

    Felix

    • Also… Wenn ich mich richtig erinnere, hatten auf der Strategiekonferenz vier bis fünf Wortmeldungen die mangelnde digitale Vernetzung der Mitglieder zum Thema. Daher kann man wohl (vorsichtig) davon sprechen, dass der Bedarf vorhanden ist.

      Ich gebe Dir recht, dass sich viele aus dem Netzwerk und auch außerhalb bereits auf div. Kanälen (Twitter, Blogs) vernetzt haben, aber es gibt aus meiner Sicht momentan drei Probleme, die ein neues AdZ-Netzwerk beheben könnte:

      1.) An keiner Stelle werden die verschiedenen Diskussionsthemen, die zwischen den Mitgliedern laufen, gebündelt. Ich stelle mir beispielsweise eine Seite vor, auf der schnell erkenntlich wird, welche Regionalgruppe sich momentan mit welchen Themen beschäftigt.

      2.) Wir arbeiten alle an unseren eigenen Projekten, aber es gibt kein gebündeltes Interesse für ein Thema – genau das bemängelst Du ja auch. Daher hatten wir vorgeschlagen, Quartalsthemen im Netzwerk einzuführen, zu denen unterschiedliche Projekte gestartet werden, die auch zur Vorbereitung des nächsten Kongresses dienen könnten.

      3.) Der politische Einfluss des Netzwerks sinkt immer weiter, wenn wir es nicht schaffen, an zentraler Stelle zu zeigen, wer wir sind, woran wir arbeiten und was wir wollen.

      Es besteht natürlich die Gefahr, dass wir z. B. eine Mixxt-Plattform schaffen und sich niemand dort anmeldet, aber ich denke, dass gerade jetzt – also so kurz vor dem nächsten Kongress – viele Mitglieder mit einer schönen, übersichtlichen und interessanten Seite zum Mitmachen animiert werden könnten. Was meinst Du?

  4. Pingback: “Neue Medien” und das ADZ Netzwerk

  5. Pingback: Archiv der Zukunft? Da war doch was… « Medienistik Blog

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