Da fehlt doch was – Der Kongress der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ am 24./25.3. in Berlin


Sie ist wunderschön: die Nike-Statue im Lichthof der TU Berlin, der als Veranstaltungsort für den Kongress der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ diente. Sie ist schön, obwohl der Betrachter es nie ausblenden kann, dass der entscheidende Teil fehlt.

Die Kopie der berühmten Statue aus dem Louvre besitzt Symbolcharakter für diesen Kongress, der eigentlich hoffnungsvoll begann, bei dem jedoch alle Teilnehmer, insbesondere am zweiten Tag, ständig spürten, dass etwas fehlte, nämlich eine Möglichkeit für das hochkarätige Publikum, sich jenseits der immer gleichen Forderungen an politische Entscheidungsträger mit ihrer Meinung einzubringen.

Es war ein Kongress, dessen traditionelle Struktur ein Misstrauensvotum darstellte gegen das, wofür das Internet und soziale Netzwerke stehen: Partizipation, Gleichberechtigung, Unvorhersehbarkeit.

Funktionierendes WLAN? Fehlanzeige! Mediengestützte Einbindung der Teilnehmer an den Podiumsdiskussionen? Leider nicht! Hinzu kamen endlose, als „Dialogrunde“ im Programmheft angekündigte Monologe von Rednern, die ihre allgemein gehaltenen Vorträge über die Bedeutung der Neuen Medien so meist auch vor jedem anderen Publikum hätten halten können.

Dabei war der Kongress eigentlich perfekt organisiert: Es gab massig Parkplätze, Mengen an Essen und Getränken, ein wirklich überaus gelungenes Buch mit den Themen des Kongresses, das kostenlos an alle Teilnehmer verschickt wurde, genügend Räumlichkeiten und beaufsichtigte Garderoben und Plätze fürs Gepäck.

Auch die in den Beiträgen von Prof. Dr. Horst Niesyto, dem Sprecher der Initiative, gestellten Forderungen waren in der Regel richtig, etwa der Ruf nach langfristiger finanzieller Unterstützung oder Verankerung des Medieneinsatzes in Schulen und Universitäten.

Was fehlte, war der Mut, sich auf Unbekanntes einzulassen und den Teilnehmern zu vertrauen. Wie sonst ist es zu erklären, dass die mühsam ausgearbeiteten Statements der einzelnen Gruppen nicht von Mitgliedern der Gruppe selbst vorgestellt und diskutiert wurden? Warum verlegte man sich stattdessen darauf, den zweiten Tag mit nicht enden wollenden Reden voll zu stopfen, die zwanghaft versuchten, möglichst alle Aspekte der Medienpädagogik zu berücksichtigen und an dieser Aufgabe allesamt mehr oder weniger scheiterten?

Wer trotzdem während der Veranstaltung die Twitter-Beiträge verfolgt hat, konnte eine erstaunliche Beobachtung machen: Außerhalb des Kongressgebäudes formierte sich eine kleine Gruppe Unzufriedener, um gemeinsam einen an die Organisatoren des Kongresses gerichteten offenen Brief zu schreiben – quasi ein Mini-Barcamp, das all die Dinge bot, die man zuvor so schmerzlich vermisst hat: Partizipation und das Gefühl „den Anfang eines Modernisierungsprozesses erlebt zu haben“ (Twitter-Zitat von Eike Roesch).

Wer die Entstehung und den Verlauf dieses Mini-Barcamps im Detail mitverfolgen will, dem sei die Lektüre der Tweets von Guido Brombach und Eike Rösch vom Medienpädagogik Praxis-Blog zu empfehlen. Guido Brombach hat zum Kongress zudem einen lesenswerten Blog-Eintrag geschrieben.

Über die Tweets von Guido Brombach bin ich auch auf folgendes Video eines Vortrags von Peter Kruse aufmerksam geworden, das viel zur Klärung der Missverständnisse auf dem Kongress beitragen kann, denn nicht die Fakten zur Bedeutung der Neuen Medien sind es, die die Menschen trennen, sondern unterschiedliche Wertemuster. (Wer wenig Zeit hat, dem sei der Einstieg bei 18:25 im Video zu empfehlen.)

2 Kommentare zu “Da fehlt doch was – Der Kongress der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ am 24./25.3. in Berlin

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