Schulträgertagung 2011 in Münster: Mehrwert digitaler Infrastruktur für das Lernen?


Am 13. April 2011 lud mich die Medienberatung NRW ein, um auf einer Schulträgertagung im Plenarsaal des LWL-Landeshauses in Münster den Einsatz der Moodle-Plattform an unserer Schule vorzustellen.

Was die Veranstaltung so reizvoll machte, war vor allem das Publikum: Mit den Entscheidungsträgern, die über die EDV-Ausstattung an Schulen entscheiden, habe ich (und wahrscheinlich Medienpädagogen allgemein) sonst nur selten Kontakt.

Das ungewohnte Publikum stellte dann auch Fragen, die bei meinen bisherigen Vorträgen vor der „Schulfamilie“ (Schüler, Eltern, Lehrer) weniger im Vordergrund standen. Es ging vor allem um rechtliche Aspekte, z. B. in Bezug auf eingescannte Schulbuchseiten (verboten) oder die Speicherung von personenbezogenen Daten wie dem letzten Login oder Noten (ebenfalls beides verboten).

Auch bei anderen Präsentationen, etwa der Vorstellung der Plattform „Fronter“ von Ulrike Gemein und Anne Mehlem (GS Hennef) oder der „ersten iPad-Klasse in NRW“ von Peter Hillebrand (GHS Effey), wurden rechtliche Fragen diskutiert. Darf die Schule z. B. für jeden Schüler eine Apple-ID erstellen, ohne die das Gerät nicht nutzbar wäre?

Skepsis in Bezug auf den Einsatz von elektronischen Medien wurde ironischerweise auch im Vortrag von Prof. Michael Kerres verbreitet. Lernen werde durch das Web 2.0 nicht bunter, nicht besser und auch nicht billiger. Motivationseffekte sind eher kurzfristig, Lernerfolge nicht vom Medium abhängig und eine höhere Effizienz ist selten dokumentiert.

Der entscheidende Grund, trotzdem auf Computer und Internet zu setzen, sei laut Kerres, dass man mit ihnen anders lernt. Neue Medien fördern kooperative Methoden, man ist räumlich und zeitlich flexibler, fächerübergreifende Kompetenzen wie Selbststeuerung und Teamarbeit werden gestärkt.

Arbeit mit dem Computer geschehe in der Schule weitestgehend in Projekten, das Ziel sei jedoch die Integration in alle Fächer. Kerres lehnte in diesem Zusammenhang die Schaffung eines separaten Faches Medienkunde strikt ab.

Die Medienberatung NRW hat daraufhin einige Trends benannt, die sich in den Schulen in Bezug auf die Mediennutzung erkennen lassen: Die Hälfte der Lehrer verwenden mindestens einmal in der Woche digitale Medien und Schulträger setzen aus Gründen der Kostensenkung mehr und mehr auf webbasierte IT-Lösungen.

Ein weiterer Trend sei, dass Lehrer Internet-Plattformen vermehrt als Hilfe bei der Unterrichtsvorbereitung sehen und es immer bessere digitale Inhalte für den Einsatz im Unterricht gebe. Die Medienberatung spricht sich zudem gegen das Konzept des Computerraums aus, da dieser dem Gedanken der individuellen Förderung widerspricht.

Weitere Vorträge befassten sich mit Gelingensbedingungen für Laptop-Wagen (Dr. Olaf Noll von der GES Remscheid) und dem Einsatz von Smartphones im Unterricht (Marc Albrecht-Hermanns von der GES Dormagen).

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