Über Sinn und Unsinn von (Bildungs)-Manifesten


Die Menge hat Macht, insbesondere im Internet: Plagiatsjäger fahnden per Wiki, Party-Crasher verabreden sich auf Facebook und unzufriedene Kunden protestieren auf Twitter.

Wie aber kann man das Internet so nutzen, dass man Aufmerksamkeit für die Sache gewinnt, die einem wichtig ist?

Ein seit Jahrhunderten beliebtes Mittel, um diese Aufmerksamkeit zu bekommen, ist das Schreiben eines Manifests; schließlich erscheinen die großen Manifeste von Marx und Engels (Kommunistisches Manifest) bis Lars von Trier (Dogma 95) rückblickend wie in Stein gemeißelte Vorboten von Umsturz und Revolution.

Manifeste reißen mit oder verpuffen. Letzteres geschah mit dem Medienpädagogischen Manifest der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“, denn trotz eines Kongresses und trotz einflussreicher Unterzeichner blieb die erhoffte Wirkung aus.

Vor einigen Tagen haben Medienpädagogen erneut einen Aufruf für ein Manifest gestartet, in dem sie Gedanken zur „Digitalen Kultur“ aufgeschrieben haben. Der erste Vorschlag ist voll von mitreißenden Schlagwörtern: Hierarchiefreiheit, Offenheit, Transparenz, digitale Kultur, Partizipationskultur, Handlungsorientierung, Analoges, Digitales; darüber hinaus finden sich auch erklärungsbedürftige Sätze wie: „Digitale Medien sind in alle Lebenszusammenhänge eingebettet.“

So weit, so gut. Was diesem Entwurf jedoch fehlt, ist die Formulierung eines Ziels; es wird nicht deutlich, wer nach Meinung der Autoren aus dem fertigen Manifest einen Nutzen ziehen soll. Diesbezüglich heißt es nur: „Weil wir finden, dass es hier [bei der Digitalisierung der Welt] um viel mehr geht als nur um Technik, sondern um eine Kultur, um Beteiligung und Bildung, haben wir unsere Gedanken […] aufgeschrieben.“

Vor dem Verfassen eines neuen Manifests sollten daher folgende Fragen geklärt werden:

  • Warum hatte das Medienpädagogische Manifest keinen Erfolg?
  • Was soll das Manifest bewirken? Wie zeigt sich diese Wirkung?
  • Was ist das Neue an dem Manifest? 
  • Wer ist die Zielgruppe?
Neben grundsätzlichen Aussagen in Form eines Manifests sollten auch die konkreten Ideen zum Einsatz von „Social Media“ in der pädagogischen Arbeit nicht vergessen werden, die viele der am Manifest beteiligten Autoren regelmäßig in ihren Blogs veröffentlichen. Ob bzw. wie die „Digitale Kultur“ Einfluss auf die Bildungssysteme nehmen wird, hängt vielleicht weniger von einem Manifest ab, als von der Frage, ob sich diese konkreten Projekte und Ideen in der pädagogischen Praxis bewähren oder nicht.

Ein Kommentar zu “Über Sinn und Unsinn von (Bildungs)-Manifesten

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