Die Bildungs-CeBIT


2012 nur noch vereinzelt gesichtet: Das lustige Messe-Monster

„Im Focus: eLearning“ lautete das diesjährige Motto der didacta in Hannover und tatsächlich kam kaum ein Stand ohne Beamer oder Monitor aus.

Vielerorts ersetzeten die digitalen Medien sogar die früher omnipräsenten Studenten in lustigen Tierkostümen.

Explosionsartig vermehrt haben sich hingegen die Anbieter digitaler Whiteboard-Lösungen. Nach wie vor sind SMART und Promethean die bekanntesten Anbieter, aber andere große (z. B. Hitachi) wie kleine (z. B. Conen) Firmen ziehen nach und bieten vergleichbare Technik und Nischenlösungen an, z. B. 3D-Projektionen.

Für großes Aufsehen haben im Vorfeld der didacta vor allem zwei Themen gesorgt: Der Schultrojaner und das lang ersehnte digitale Schulbuch.

Ersterer sei, so hieß es vielerorts hinter vorgehaltener Hand, bereits tot. Kein Verlag treibe dessen Entwicklung voran; hier hat die heftige öffentliche Debatte offensichtlich zu einem Einlenken geführt.

Umkämpfter Markt: Promethean und SMART werben für ihre digitalen Whiteboards

Das digitale Schulbuch, enttäuscht leider auf ganzer Linie, wie schon andernorts (z. B. von Christian Füller oder Damian Duchamps) berichtet wurde.

Dessen äußeres Erscheinungsbild ist höchst unspektakulär, was wohl auch mit der Bereitstellung der Inhalte seitens der Verlage zusammenhängt. Ein Vertreter von Klett erklärte mir, dass sein Verlag lediglich PDF-Dateien seiner Schulbücher zur Verfügung stelle, die der Verband Bildungsmedien dann in die Software einarbeitet, dessen erste Version in einigen Monaten veröffentlichen werden soll.

Was ein digitales Schulbuch kosten soll, ist noch unklar. Der Vertreter von Klett spekulierte, dass eine Lizenz vermutlich ca. 1/3 des Buchpreises kosten und ein Jahr lang gültig sein werde.

Da scheinen, wenn man die Anzahl der Schüler mit der Anzahl der Fächer multipliziert, enorme Summen auf die Schulen zuzukommen.

Die Software zum Anzeigen der Bücher bietet wenig Überraschungen und ist m. E. mit der GoodReader-App auf dem iPad vergleichbar. Die Seiten lassen sich mit Notizen versehen, es gibt wohl eine Bookmark-Funktion, viel mehr aber auch nicht. Das ganze läuft momentan mit Flash, eine HTML-Version soll folgen.

Hübscher als der Screenshot eines digitalen Schulbuchs: Der Stand der Autostadt

Interessanter scheinen da schon die individuellen Lösungen der Verlage zu sein. Klett etwa bietet seine Schulbücher samt zusätzlicher Materialien sowie Lösungen für den Einsatz an digitalen Whiteboards an. Die ausgeteilte Demo-DVD zeigt eine passable Oberfläche und es wäre schon praktisch, die eigenen Schulbücher in dieser Form auf dem Rechner zu haben und im Unterricht am digitalen Whiteboard präsentieren zu können.

Die Verfügbarkeit einer digitalen Version wird auf jeden Fall für viele Schulen ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl ihres nächsten Schulbuchs sein. Daher bleibt zu hoffen, dass die Qualität der Angebote noch deutlich steigt.

Die Konzentration auf die digitale Verpackung der Bildungsinhalte ließ auf der didacta jedoch wenig Raum für Visionen einer besseren Schule oder Forderungen nach Reformen in der Bildungspolitik. Diesbezüglich wird man wohl eher auf dem nächsten adz-Kongress fündig.

Hängengeblieben ist interessanterweise trotz (oder wegen?) der medialen Reizüberflutung ein gedruckter Text, noch dazu eine Werbeanzeige, die ich bei der Durchsicht der Materialberge im Zug entdeckt habe.

Besser und kürzer kann man wohl nicht zum Ausdruck bringen, warum gute Bildung lebensnotwendig ist:

Werbeanzeige der deutschen Kinder- und Jugendstiftung

3 Kommentare zu “Die Bildungs-CeBIT

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