Dürfen im Handel erworbene DVDs im Unterricht gezeigt werden?


Matthias-Film mahnt zur Einhaltung des Urheberrechts

Am gemeinsamen didacta-Stand des Katholischen Filmwerks und des Medienanbieters Matthias-Film habe ich im Rahmen meiner Dissertation über Spielfilme im Religionsunterricht ein interessantes Gespräch über die Rechtslage in Bezug auf das Zeigen von Filmen im Unterricht gehalten.

Harald Hackenberg vom Katholischen Filmwerk vertrat dabei strikt die Meinung, dass das Vorführen von Spielfilmen, die im normalen Handel auf DVD gekauft wurden, im Unterricht ohne öffentliche Vorführlizenz nicht erlaubt ist.

Er beruft sich dabei u. a. auf die Veröffentlichung „Urheberrecht in der Schule“ von Stefan Haupt, aus der das folgende Zitat stammt (S. 73):

Der Geschichts-Lehrer hat eine DVD des Filmes „Der Untergang“ privat erworben. Darf er diese DVD im Unterricht zeigen, ohne den Rechteinhaber um Erlaubnis zu fragen?

Nein. Die Vorführung einer privat erworbenen DVD im Unterricht ist ohne Einwilligung des Urhebers bzw. des Rechteinhabers nicht gestattet. Das gilt jedenfalls dann, wenn man der Auffassung ist, wonach der Schulunterricht öffentlich im Sinne des Urheberrechts ist. Demzufolge muss man das Vorführrecht (§ 19 Abs. 4 UrhG) erwerben, wenn man eine DVD im Schulunterricht zeigen möchte. […]

Man sollte daher auf ein entsprechend lizensiertes Angebot der Medienstellen oder eines anderen Anbieters (Matthias-Film, VIDEMA, VWU) zurückgreifen.

Das heißt, dass nur Filme, die aus der Medienzentrale ausgeliehen wurden oder solche, für die man eine öffentliche Vorführlizenz erworben hat (die in der Regel pro Film zwischen 40,- und 90,-€ kosten) im Unterricht gezeigt werden dürfen.

An anderer Stelle (z. B. auf Lehrer-Online in der Rubrik „Fall des Monats“) wird das geltende Gesetz anders ausgelegt. Hier wird die Vorführung im Klassen- bzw. Kursverband nicht als öffentliche Vorführung definiert. Auch das Bundesministerium der Justiz billigt auf seiner Internetseite das Zeigen von Filmen ohne Vorführlizenz im Unterricht.

Auf der Fortbildung zu dok´mal beim WDR habe ich mit den Referenten Ines Müller und Leo Hansen ebenfalls über das Thema gesprochen. Letzterer ist Sprecher der Fachgruppe Film der GMK, die einen Aufruf zur Klärung der rechtlichen Situation bei der Filmbildung verfasst hat. Dort heißt es:

So wie jeder Deutsch- oder Englischlehrer ja nicht nur ein Buch für seinen Unterricht bereithält, das er sich aus der Bücherei für eine Woche ausgeliehen hat, sondern die Schülerinnen und Schüler auffordert, sich das Buch ebenfalls zu kaufen oder einen Klassensatz zur Verfügung stellt, damit mit der Lektüreim Unterricht gearbeitet werden kann, genauso muss ein Lehrer, der Film zum Gegenstand seines Unterrichts macht, mehrere Exemplare dieses Films für den Unterricht zur Verfügung haben. Wenn die Schülerinnen und Schüler im Sinne von individueller Förderung und kooperativem Lernen Lernsituationen selber steuern und gestalten, dann müssen sie jederzeit den Zugriff auf den Film haben, um die unterschiedlichen Aufgaben und Herangehensweisen, die in der Regel ja in Gruppen bearbeitet werden, erfüllen zu können. Das spricht auch gegen den Kauf einer DVD mit Vorführrechten, da auch hier nur ein Exemplar aufgrund des Preises erworben werden kann. Und schließlich zahlt kein Lehrer „Vorleserechte“ für ein Buch, sondern den normalen Ladenpreis. Warum sollte das nicht bei einer DVD im Rahmen von Bildungsarbeit möglich sein, zumal mit der Filmarbeit die Schülerinnen und Schüler an das Kulturgut Film herangeführt werden und so künftige Kinogänger geworben werden.

Anschließend wird kurz die unklare Rechtslage dargestellt und übergeleitet zu den Forderungen des Aufrufs:

• Alle mit öffentlichen Geldern (Filmförderung, Rundfunkgebühren) geförderten und finanzierten Filme müssen der Bildungsöffentlichkeit unabhängig von Urheberrechtsfragen zur Verfügung gestellt werden.

• Kauf-DVDs müssen in Bildungseinrichtungen wie Bücher eingesetzt werden können.

• Alle Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens dürfen auch als Kopie in Bildungseinrichtungen eingesetzt werden.

• Das Urheberrecht sowie die entsprechende Gesetze bzw. Förderrichtlinien sind entsprechend zu ändern.

Der Aufruf kann online unterzeichnet werden, wozu ich alle Leserinnen und Leser meines Blogs ermutigen möchte. Insbesondere die Forderung, alle öffentlich (durch Filmförderung oder Rundfunkgebühren) finanzierten Filme im Unterricht zeigen zu dürfen, halte ich für absolut unterstützenswert. Gespräche mit den verantwortlichen Institutionen und Firmen sind bereits geplant – jede zusätzliche Unterschrift verleiht der Forderung mehr Gewicht. Ines Müller und Leo Hansen haben zudem eine Online-Umfrage zur Filmbildung in der Schule ins Netz gestellt.

Abschließend interessiert mich die Frage: Wie handhabt Ihr / handhaben Sie die Filmschau im Unterricht? Gibt es z. B. eine schulinterne Regelung, dass nur Filme mit öffentlicher Vorführlizenz gezeigt werden dürfen oder werden auch im Handel gekaufte DVDs gezeigt?

Ein Kommentar zu “Dürfen im Handel erworbene DVDs im Unterricht gezeigt werden?

  1. Pingback: Fortbildung „Film & Theologie“ « Medienistik Blog

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