Holpriger Start der Plattform „Digitale Schulbücher“


Digitale Schulbücher – vorerst nur mit Flash und daher nicht auf dem iPad nutzbar

Heute ist sie gestartet: die lange angekündigte Plattform www.digitale-schulbuecher.de. Viele Hoffnungen sind mit dem Projekt verbunden: Schülerinnen und Schüler träumen davon, eines Tages nur noch mit dem Tablet in der Hand die Schule betreten zu können und Lehrerinnen und Lehrer sind angetan von der Idee, alle Lösungsbücher digital verfügbar zu haben.

Leider verlief der Start der Plattform nicht ganz problemlos, wie die folgende Chronologie meines Versuchs, ein digitales Schulbuch zu installieren, zeigt:

  •  14:31 Uhr: Sofort klicke ich auf meinem iPad auf den angegebenen Link: 

Ach ja, Tablets folgen demnächst…

  • 14:40 Uhr: Ich schalte meinen Laptop an, surfe erneut auf die Seite, schaue mir das Erklärungsvideo an und klicke auf „Login“. Ich entscheide mich gegen den Download einer Software (löblich: für Windows und Mac erhältlich), sichere mir den kostenlosen Code für mein erstes digitales Buch (eine wenig aufregende Werbebroschüre)  und klicke auf „zum Online-Regal“. Die notwendige Registrierung geht schnell vonstatten et voilà: Ich sehe zum erstem Mal mein digitales Schulbuchregal:

  • 14:52 Uhr: Ich spiele ein wenig mit den Funktionen des Programms. Es gibt ein Blättergeräusch, das man zum Glück abstellen kann, ansonsten findet man wenig Überraschendes. Es stehen in etwa die gleichen Funktionen zur Verfügung wie bei der GoodReader-App für iOS. Man kann Notizen machen, ein Lesezeichen einfügen, bunte Pfeile sowie Kreise einfügen (braucht das jemand?) und eine eher unsinnige „nur eine statt zwei Seiten-Darstellung“ auswählen.
  • 15:20 Uhr: Es wird Zeit für mein erstes „richtiges“ digitales Schulbuch. Ich klicke auf den Link zu Cornelsen, dann auf „Sekundarstufen“, „Deutsch“ und schließlich auf „Deutschbuch 5. Schuljahr„. Das nun folgende Fenster verwirrt mich etwas:

Keine Preisangabe? Was passiert, wenn ich auf „Absenden“ klicke? Ich mache erst einmal eine Pause.

  • 16:31 Uhr: Ich rufe bei der Hotline von Cornelsen an; mit dem freundlichen Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung führe ich in etwa folgendes Gespräch:

„Hallo, ich würde gerne eines dieser neuen digitalen Schulbücher kaufen, finde aber nirgends eine Preisangabe. Was sollen die denn kosten?“

„Mh… die sind ja ganz neu. Das würde mich auch interessieren. Wo haben sie denn genau draufgeklickt?“

„(Siehe obige Beschreibung)“

„Aha… da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen. Ich erkundige mich mal und schicke Ihnen dann eine Mail.“

  • 16:38 Uhr: Ich surfe etwas im Web und finde eine Pressemitteilung von Cornelsen. Ich rufe die Pressesprecherin, deren Telefonnummer unter dem Artikel steht, an und erfahre in meinem zweiten sehr netten Gespräch, dass die digitalen Version 5 Jahre ohne Aufpreis nutzbar sind, sofern man die Printausgabe des jeweiligen Werkes besitzt. Wie dies nachgeprüft werden kann, kann mir allerdings nicht mitgeteilt werden. Auch die Frage, wie Schülerinnen und Schülern beweisen sollen, dass sie eine Printausgabe des jeweiligen Werkes besitzen, um die digitale Version nutzen zu können, kann nicht abschließend geklärt werden.
  • 16:59 Uhr: Ich klicke mich erneut durch den Bestellvorgang und klicke dieses Mal auf „Absenden“. Wenig später erhalte ich folgende Mail:

Und noch eine zweite Mail erreicht mich:

  • 18:39 Uhr: Noch immer keine Nachricht – mein erstes digitales Schulbuch muss wohl noch warten.

Fazit: In Bezug auf die digitalen Versionen ihrer Werke haben sich die Schulbuchverlage bislang wenig mit Ruhm bekleckert. So bleibt weiterhin ungewiss, welche Bedeutung dem Schulbuch in den kommenden Jahren noch zukommen wird. Die installierte Plattform lässt viele Wünsche offen, allen voran der noch fehlende Support für iOS-Geräte wie das iPad.

Sehr löblich hingegen ist der Vorstoß von Cornelsen, die digitalen Ausgaben ihrer Lehrwerke für Besitzer der Printausgabe kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das wird es für andere Verlage sehr schwer machen, von Besitzern der gedruckten Ausgabe einen Aufpreis für die digitalen Versionen zu verlangen.

P.S.: Sobald mich der Zugangscode für mein erstes digitales Schulbuch erreicht, folgt ein Update des Artikels.

Mehr zum Thema „Digitale Schulbücher“ auf medienistik.de:

 

3 Kommentare zu “Holpriger Start der Plattform „Digitale Schulbücher“

  1. Pingback: Test der Plattform “Digitale Schulbücher” « Medienistik Blog

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