Mitgliederversammlung des AdZ-Netzwerks in Wolfsburg


Julia Bernabéu Reetz von der Neuen Schule Wolfsburg im Gespräch mit Reinhard Karl

Wir kennen die interessanten Menschen unserer eigenen Gesellschaft nicht. 

Peter Sloterdijk

Am Samstag, d. 10.11.12 fand die Mitgliederversammlung des AdZ-Netzwerks in der Neuen Schule Wolfsburg statt.

Zwar nahmen diesmal (im Gegensatz zur gut besuchten Strategiekonferenz im März 2011) insgesamt nur 21 Mitglieder an der Veranstaltung teil, die wenigen Anwesenden diskutierten dafür umso intensiver über die Vergangenheit und Zukunft des Netzwerks.

Ich persönlich habe für mich im Vorfeld der Veranstaltung nach Gründen gesucht, mich weiterhin für das Netzwerk zu engagieren, das mir ein wenig eingeschlafen schien. Die geringe Teilnehmerzahl schien zunächst für diese Theorie zu sprechen, aber im Laufe der Versammlung wurde mir deutlich, dass das AdZ-Netzwerk keineswegs schläft und aufgrund seiner noch immer einzigartigen Ausrichtung unterstützenswert ist.

 

Wie steht es um das AdZ-Netzwerk?

Laut Kassenprüfungsbericht gibt die finanzielle Gesamtsituation „z. Zt. keinen Anlass zur Sorge“. In Zukunft kann deshalb auch darauf hingearbeitet werden, eine – wie es Bericht der Kassenprüfer heißt – „stabile personelle Besetzung der Geschäftsstelle zu entwerfen.“

Die Anzahl der Mitglieder liegt stabil bei ca. 1.400. Für 2013 ist jedoch eine Anwerbekampagne (vor allem junger Menschen) geplant, mit dem Ziel, mindestens 500 neue Mitglieder zu werben.

Der nächste Bodenseekongress wird vom 3. – 6. Oktober 2013 stattfinden, die Vorbereitungen dafür gehen langsam in die heiße Phase. Einige prominene Redner wie Gerald Hüther, Remo Largo oder Richard David Precht haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Die Koreographie des Kongresses sieht im nächsten Jahr eine noch bessere Balance zwischen intensiven Arbeitsphasen, „Vortragskonsum“ und informellem Plaudern und Kennenlernen vor. Spätestens bis Ende des Jahres soll die Planung abgeschlossen sein.

Neben den Bodenseekongressen entwickelt sich auch die Veranstaltungsreihe „Theater träumt Schule“ nach und nach zu einem weiteren Markenzeichen des Netzwerks. Vor allem die Veranstaltung mit Richard David Precht in den Münchner Kammerspielen stieß auf große Resonanz.

 

Die Neue Schule in Wolfsburg

AdZler beim Rundgang durch die Neue Schule in Wolfsburg

Nach einem gemeinsamen Mittagessen lud die Neue Schule in Wolfsburg zu einer Besichtigung ein. Die Lehrerin Julia Bernabéu Reetz berichtete zunächst davon, dass die Gründung der gemeinsamen Ganztagsschule auf eine Kooperation der Volkswagen AG mit der Stadt Wolfsburg zurückzuführen ist.

Das pädagogische Konzept wurde von einer Kommission erarbeitet, der neben Reinhard Kahl auch Fachleute aus Schweden und Finnland angehörten. Zu diesem Konzept gehört die internationale Ausrichtung, die sich u. a. dadurch zeigt, dass alle Schülerinnen und Schüler ab der 1. Klasse in Englisch unterrichtet werden.

Jeden Tag wird um 7.30 Uhr eine Frühlernzeit angeboten, danach folgt Unterricht in Doppelstunden und schließlich eine zweistündige Pause. Nach einer weiteren Doppelstunde endet der Unterricht um 15.45 Uhr.

Beispiel für eine Lernlandkarte

Eine weitere Besonderheit stellt die Arbeit mit Trainingsplänen und Lernlandkarten dar: Den Schülerinnen und Schülern wird zu Beginn einer Unterrichtseinheit mitgeteilt, welche Kompetenzen sie erarbeiten müssen, anschließend ordnen sie diese auf einer selbstgestalteten Landkarte an und stellen Vermutungen darüber an, wie schwer ihnen das Erreichen der jeweiligen Kompetenz fallen wird. Am Ende jeder Einheit erfolgt eine Selbstevaluation durch einen Reflexionsbrief.

Die Säulen des Schulkonzepts lassen sich mit den Begriffen Internationalität, Begabtenförderung, Naturwissenschaft und Technik, Kunst und Kultur sowie Wirtschaft zusammenfassen. Interessant war die Randbemerkung von Frau Bernabéu Reetz, dass in der Neuen Schule nur noch vereinzelt mit Schulbücher gearbeitet wird; der Fokus wird stattdessen auf projektorientiertes Arbeiten gelegt.

Die gesamte Schule wird als selbstlernender Organismus begriffen. Das Kollegium probiert ständig Neues aus und gelungene Ideen, die sich in der Praxis bewährt haben, werden von Kolleginnen und Kollegen übernommen. Vorbildlich ist auch, dass einmal entworfene Unterrichtsmaterialien – für alle Lehrkräfte zugänglich – zentral gespeichert werden und über digitale Whiteboards jederzeit abrufbar sind.

 

Fazit

Die Mitgliederversammlung hat gezeigt, dass sich das AdZ-Netzwerk – wie eigentlich immer – in einer Umbruchsphase befindet. Derzeit geht es vor allem darum, dass Aufgaben und Ziele deutlicher formuliert werden müssen, denn – so steht es zu Recht im Bericht der Kassenprüfer – „[e]ine kurzfrstige und langfristige Planung für die weitere Entwicklung des Vereins fehlt bisher noch.“

Darüber hinaus müssen neue Organisationsstrukturen gefunden und das eigene Profil geschärft werden. Für die Werbung neuer Mitglieder wird es zudem wichtig sein, das äußere Erscheinungsbild des Netzwerks, das in erster Linie aus der Homepage besteht, zu erneuern. Im Zuge dieser Restrukturierung sollte auch die bisher kaum genutzte digitale Vernetzung der Mitglieder untereinander verbessert werden.

Denn, so wurde auch bei dieser Mitgliederversammlung deutlich, der eigentliche Schatz des Netzwerks sind die vielen kleinen und großen Projekte, die zeigen, wie Bildung im 21. Jahrhundert gelingen kann. Um diese Projekte zu fördern oder überhaupt erst zu initiieren, ist es nötig, Menschen mit ganz unterschiedlichen Begabungen zusammenzubringen und genau diese Vernetzung könnte durch den intelligenten Einsatz digitaler Medien noch effizienter und schneller gestaltet werden.

Und hier als Abschluss (und zur Vorfreude auf den nächsten Kongress) noch ein Trailer des neuen Films über das AdZ-Netzwerk:

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