Bildung als Markt


Umkämpfter Markt: Promethean und SMART werben für ihre digitalen Whiteboards

Umkämpfter Markt: Promethean und SMART werben auf der didacta für ihre digitalen Whiteboards

Schule muss auf das Leben vorbereiten und auch wenn wir wenig über die Zukunft wissen, so wissen wir doch eins sehr genau: Diese Zukunft wird in einer kaum zu überschätzenden Weise von Computern geprägt sein.

Computer müssen also in die Schule – Union und SPD planen daher laut der „Welt“ in ihrer digitalen Agenda, jedem Schüler ein „mobiles Endgerät“ zur Verfügung zu stellen, gemeint sind wohl Tablets oder Smartphones.

Machen sich Unternehmen der Korruption schuldig?

Aber digitales Lernen in der Schule hat seinen Preis und der geht weit über die Anschaffungskosten hinaus. In einem lesenswerten Artikel berichtet Benedikt Fuest ebenfalls in der „Welt“ von Apples „Distinguished Educators“-Programm und anderen Initiativen von Google und Microsoft, die darauf zielen, einzelne Lehrkräfte und dadurch auch Schulen für ihre Produkte zu begeistern.

Nicht zu unrecht sieht Fuest die Berufsethik verbeamteter Lehrer in Gefahr, wenn sie sich von Konzernen in luxuriösen Hotels fortbilden lassen und sein indirekt geäußerter Vorwurf der Korruption muss sehr ernst genommen werden.

Wieviel Einflussnahme ist erlaubt?

Wenn digitales Lernen gelingen soll, müssen Schulen jedoch mit Konzernen wie Microsoft, Google und Apple kooperieren. Wenn digitales Lernen gelingen soll, müssen Multiplikatoren (die idealerweise selbst Lehrer sind) von den Firmen geschult werden. Und wenn digitales Lernen gelingen soll, muss auch Schülerinnen und Schülern der Umgang mit den Geräten und der Software eines der genannten Unternehmen beigebracht werden.

Die Spannung, die durch diese Einflussnahme von Marktinteressen auf die Bildung entsteht, ist jedoch immens. Vielleicht so immens, dass man eingestehen muss, dass die Souveränität von Schulen mit den Interessen von weltweit agierenden IT-Unternehmen nicht vereinbar ist.

Vor allem Microsoft und Apple drängen an Schulen und die wenigsten stört es mittlerweile, wenn selbst im Lehrplan steht, dass nicht etwa der Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen, sondern mit „Microsoft Word“ gelehrt werden soll.

Zurück zu den alten Tugenden

Bildung ist ein Markt, ist es vielleicht immer gewesen. Das bedeutet jedoch auch, dass Lehrkräfte und Schulen bewusst mit ihrer Verantwortung umgehen und Unternehmen gegenüber die Grenzen ihres Einflussbereichs aufzeigen.

Einige Gründe mögen etwa dafür sprechen, iPads an Schulen einzusetzen, aber das verhindert nicht, ja das fordert es sogar, dass im Ethik- und Religionsunterricht die katastrophalen Bedingungen in den Produktionsbetrieben zum Thema gemacht werden und dass ganz bewusst freie Software als kostenlose Alternative zur abgeschlossenen und teuren Apple-Welt vorgestellt wird.

Das digitale Zeitalter verlangt von Lehrkräften also nicht nur untergebene Anpassung und Schulen sind dem Einfluss großer Konzerne nicht machtlos ausgeliefert. Stattdessen muss der Einsatz von Technik in der Schule ganz alte Tugenden zu neuem Leben erwecken, allen voran die Erziehung zur Mündigkeit und zum kritischen Denken.

Zeit für ein „Gegenprogramm“

Der Einfluss von IT-Unternehmen auf Schulen wird in den nächsten Jahren enorm wachsen, auch diese Zukunftsprognose scheint sicher. Daher wird es höchste Zeit, dass Schulen sich über ein „Gegenprogramm“ Gedanken machen, das sicher stellt, dass der Einfluss einzelner Unternehmen, die vielleicht sogar als Sponsor agieren, nicht zu groß wird.

Die Unternehmen werden es den Schulen vielleicht kurzfristig übel nehmen, dass sie ihr teuer erarbeitetes Image ankratzen, langfristig werden sie es zu schätzen wissen, wenn sie kritische Geister in ihren eigenen Reihen haben, die neue Wege einschlagen, die Augen nicht vor der Realität verschließen und Propaganda von Fakten unterscheiden können.

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