Welche Zukunft hat das Schulbuch?



Schulbücher - bald nur noch im Museum?

Schulbücher – bald nur noch im Museum?

Am 28. März von 13.30 Uhr bis 14.45 Uhr werde ich im Rahmen des Forums Bildung auf der didacta (Halle 1, Stand 1K71) über die Zukunft des Schulbuchs diskutieren. Mit dabei sind der Lehrer und Musiker André J. Spang, vielen bekannt durch seine innovativen Tablet-Projekte, der Geschäftsführer der Cornelsen Schulverlage Wolf Rüdiger Feldmann und Prof. Dr. Eva Matthes vom Lehrstuhl für Pädagogik an der Uni Augsburg, Herausgeberin des Bandes „Digitale Bildungsmedien im Unterricht“, das ich gerade lese.

Keine Zukunft ohne Vergangenheit

Ich muss gestehen, dass ich mir ein Lernen ohne Bücher eigentlich nicht vorstellen kann. Bibliotheken sind für mich fast schon magische Orte und wenn ich einmal in die Verlegenheit geraten würde, eine Autobiographie zu verfassen, würde ich wichtige Abschnitte meines Lebens immer mit einem ganz bestimmten Buch in Verbindung bringen, das mich zu der Zeit fasziniert und angetrieben hat.

Ist ein Schulbuch überhaupt ein „richtiges“ Buch?

Ein Schulbuch hat mich jedoch nie so fasziniert, dass ich nach dessen Lektüre geweint oder mein Leben überdacht hätte. Schulbücher versprechen zwar Weisheit und Überblick, lösen dieses Versprechen aber nur in Ausnahmefällen ein. Im besten Fall sind sie eine Art Werbebroschüre für „richtige“ Bücher und eine Ansammlung von Fakten, von denen jedoch zweifelhaft ist, ob man sie wirklich wissen muss.

Can`t live with them – can`t live without them

Als Lehrer wäre ein Leben ohne Schulbücher jedoch ein echtes Schreckensszenario. Kaum jemand wird die enorme Arbeitserleichterung bestreiten, die ein durchdachtes Schulbuch samt ausführlichem Lehrerkommentar mit Vordrucken für Klausuren und Arbeitsblätter bietet.

Es ist jedoch eine problematische Entwicklung, dass Schulbücher an vielen Schulen der eigentliche Lehrplan sind. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass die großen Schulbuchverlage zu einem erheblichen Teil mitbestimmen, was und wie an Deutschlands Schulen gelehrt wird.

Freie Bildungsmaterialien – eine Alternative?

Ich selbst veröffentliche meine Unterrichtsmaterialien abwechselnd sowohl bei Verlagen als auch kostenlos auf dieser Homepage und möchte beides nicht missen. Ein Lektorat gibt in den meisten Fällen wertvolle Hinweise, von denen die Qualität der Materialien profitiert, und natürlich bieten Veröffentlichungen in Verlagen einen finanziellen Anreiz.

Die Veröffentlichung von Materialien im Internet ist hingegen aufregender und mit viel positivem Feedback verbunden. Nach der Veröffentlichung meiner Materialien zum Roman „Nichts“ kontaktiere mich beispielsweise eine Kollegin aus Thüringen, die den Roman in ein Theaterstück umgeschrieben hat. Im Anhang der Mail befand sich der vollständige Text des Stückes. Dem Autor eines kostenpflichtigen Schulbuches gegenüber wäre Sie wahrscheinlich nicht so großzügig gewesen, aber Teilen steckt an, bereitet Freude und motiviert mehr als Geld.

Das perfekte Schulbuch?

Freie Bildungsmaterialien sollen das Schulbuch aber nicht ersetzen, sie sollen dessen Qualität verbessern. Die neuen kompetenzorientierten Lehrpläne bieten hier eine enorme Chance, denn fortan sind weniger Inhalte vorgeschrieben, was Verlagen den Freiraum eröffnet, wirklich innovative Ideen umzusetzen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Deutschbuch, das konsequent darauf setzt, dass Schülerinnen und Schüler die vorgegebenen Kompetenzen mit neuen Medien (und warum nicht auch mit der Unterstützung von freien Bildungsmaterialien) erarbeiten?

Ein Vergleich moderner Schulbücher mit ihren Vorgängern zeigt, dass die Verlage hier auf dem richtigen Weg sind. Hoffentlich treibt sie die Konkurrenz mit freien Bildungsmaterialien weiter dazu an, sich neuen, kontroversen Themen zu öffnen. Wenn sie dann noch ihren belehrenden Unterton verlieren und Fragen stellen, die Schülerinnen und Schüler wirklich ernst nehmen, dann werden sie vielleicht wie Pinocchio aus totem Holz zum richtigen Leben erwachen.

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