Der digitale Kanon


Der digitale Kanon

„Der digitale Kanon“ – Ein Beitrag zum Wettbewerb „Ideen bewegen“

In den letzten Wochen haben die Schülerinnen und Schüler meines Deutsch-Grundkurses hart gearbeitet, um ihren Beitrag für den Wettbewerb „Ideen bewegen“ fertigzustellen.

Herausgekommen ist ein beeindruckend umfangreiches Dokument mit Anregungen für kompetenzorientiertes Unterrichten mit Tablets und Smartphones.

Es folgen nähere Infos zum Projekt, die zusammen mit dem Dokument „Der digitale Kanon“ für den Wettbewerb eingereicht wurden:

Kurzbeschreibung des Projekts:

Während des vierwöchigen Projekts „Der digitale Kanon“ haben Schülerinnen und Schüler eines Deutsch-Grundkurses der Jahrgangsstufe 11 (Q1) Ideen zum Einsatz von Tablets & Smartphones in allen Fächern der Sek. I am Gymnasium gesammelt und eine Handreichung für Lehrkräfte erstellt, die zeigt, wie man kompetenzorientiert und zugleich innovativ und kreativ mit Tablets & Smartphones unterrichten kann.

Wie wurden die Tablets im Unterricht eingesetzt?

Das Projekt begann damit, dass die Kursteilnehmer Interviews mit Schülerinnen und Schülern der Sek. I geführt sowie mit Lehrkräften über den Einsatz von Tablets & Smartphones im Unterricht geführt haben. Diese wurden digital aufgezeichnet und protokolliert. Anschließend wurden die Lehrpläne mit den Tablets digital bearbeitet und es wurde nach passenden Apps und Internetseiten gesucht.

Was soll mit dem Projekt erreicht werden?

Das Ziel des Projekts war es, Schülerinnen und Schüler in die Planung und Durchführung des Unterrichts mit einzubinden, da sie insbesondere im Umgang mit Neuen Medien oftmals über mehr Wissen als die Lehrkräfte verfügen. Für die Fachschaften an unserer Schule, die derzeit mit der Umsetzung der neuen, kompetenzorientierten Lehrpläne beschäftigt sind, soll die im Projekt entstandene Handreichung eine Hilfe bei der Wahl geeigneter Unterrichtsinhalte und der Planung fächerübergreifender Unterrichtsprojekte sein. Vom Schulministerium wurden zwar die einzelnen Lehrpläne veröffentlicht, jedoch keine Zusammenschau, die dabei helfen kann, Kompetenzen fächerübergreifend und mit dem Einsatz von Hilfsmitteln wie Tablets oder Smartphones zu erlernen. Die von den Schülerinnen und Schülern erstellte Handreichung soll zudem zeigen, wie sehr die neuen kompetezorientierten Lehrpläne das mediengestütze Lernen in allen Fächern einfordern und es daher unumgänglich ist, dass Schulen ein fächerübergreifendes Medienkonzept in Zusammenarbeit mit allen Fachschaften erarbeiten und umsetzen.

Wir wurde die Idee umgesetzt?

Um erste Ideen für die Handreichung zu sammeln, wurden zu Beginn des Projekts zunächst Interviews mit Schülerinnern und Schülern der Sek. I geführt, die aufzeigten, welche Themen Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe interessieren und in welchen Unterrichtssituationen sie selbst der Meinung waren, dass digitale Medien bei der Erreichung von Unterrichszielen hilfreich gewesen sein könnten.

Anschließend wurden die (digital als PDF-Datei zur Verfügung gestellten) Lehrpläne in Kleingruppen von den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern auf dem Tablet durchgesehen und Kompetenzen, die sich besonders für den Einsatz von Tablets & Smartphones eignen, wurden herausgeschrieben. Zudem begann die Suche nach passenden Apps, die ausgetestet und einzelnen Kompetenzen zugeordnet wurden.

Es folgte eine Präsentations- und Kritikphase, nach der die Ideensammlungen überarbeitet und schließlich in einer Handreichung zusammengefasst wurden. Parallel dazu erstellten einzelne Schülerinnen und Schüler das Titelbild und führten Interviews mit Lehrkräften, die bereits jetzt ihre privaten Tablets im Unterricht einsetzen.

Was war der didaktisch-methodische Ansatz des Projekts?

Wie sich bereits bei einem anderen Projekt an unserer Schule gezeigt hat, bedeutet der Einsatz von Tablets an der Schule automatisch eine Änderung sowohl der Schüler- als auch der Lehrerrolle, die zunächst chaotisch erscheint, kurze Zeit später jedoch als überaus förderlich für die Individualisierung des Unterrichts und der Ausrichtung an der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler ist.
Während der Projektphase haben Schülerinnen und Schüler deutlich mehr Zeit in die schulische Arbeit investiert, indem sie in ihrer Freizeit beispielsweise weitere Interviews geführt oder an der Gestaltung der Handreichung gearbeitet haben.
Die Rolle der Lehrkraft beschräntke sich im Wesentlichen darauf, den Zeitplan des Projekts vorzugeben und die jeweiligen Arbeitsaufträge zu verteilen.

Was waren die Ergebnisse der Projekts?

Das Ergebnis des Projekts ist die Handreichung „Der digitale Kanon“, die den einzelnen Fachschaften unserer Schule zur Verfügung gestellt und zeitgleich im Internet veröffentlicht wird.
Ein Erfolg der Unterrichtseinheit war die überaus engagierte Mitarbeit der einzelnen Schülerinnen und Schüler, insbesondere derer, die mit „traditionellen“ Inhalten des Deutschunterrichts wie der Gedicht- und Dramenanalyse Schwierigkeiten haben.
Die Kreativität, mit der Schülerinnen und Schüler die von den Lehrplänen vorgegebenen Kompetenzen mit Inhalt füllten, war erstaunlich und der Austausch mit anderen Lehrkräften und Pressevertretern hat gezeigt, dass großes Interesse an Ideen zur sinnvollen Arbeit mit digitalen Medien in der Schule besteht.

Welche Erfahrungen wurden mit dem Projekt gemacht?

Wie sich bereits bei anderen Medienprojekten an unserer Schule zeigte, verlangt der Einsatz neuer technischer Hilfsmittel eine intensive Vorbereitung, die sich jedoch auch auszahlt in Form von engagierter Mitarbeit und Produkten, die einen echten Mehrwert darstellen.
Der Einsatz der für das Projekt bereitgestellten Medien verlief im Wesentlichen problemlos. Kleinere technische Schwierigkeiten konnten alle behoben werden.

Worin bestand der Mehrwert des Einsatzes von Tablets?

Das Projekt wäre ohne den Einsatz der Tablets nicht möglich gewesen. Zwar wäre die Arbeit mit den Lehrplänen auch ohne digitale Hilfsmittel möglich gewesen, für die Aufzeichnung der Interviews sowie das Testen von Apps und Unterrichtsideen waren die Schülerinnen und Schüler jedoch auf die Tablets angewiesen, wobei sich vor allem der mitgelieferte Stift als überaus nützlich erwiesen hat. Dadurch konnten einzelne Sätze aus den Lehrplänen ausgeschnitten und schnell in ein neues Dokument eingefügt sowie kommentiert werden. Ein Beispiel für diese Arbeitsweise findet sich in den beigefügten Bildern.
Darüber hinaus wurde vor allem die Präsentation von Inhalten durch den mitgelieferten Bildschirm und die drahtlose Übertragungsmöglichkeit vereinfacht und beschleunigt, wodurch ein deutlich produktiveres und professionelleres Arbeiten möglich war.

Wie wurden die Ergebnisse aufbereitet und genutzt?

Die von den Schülerinnen und Schülern erstellten Notizen wurden per Bluetooth an das Lehrertablet gesendet, Korrektur gelesen und am Laptop in ein Dokument zusammengefasst. Die so entstandene Handreichung wird als Vorlage in die einzelnen Fachschaften gegeben, wo die Ergebnisse diskutiert und zur Planung fächerübergreifender Unterrichtsprojekte genutzt werden kann.

Wirkt das Projekt in andere Bereiche?

Die Handreichung umfasst alle Fächer der Sek. I und wird zur freien Nutzung auch anderer Schulen im Internet veröffentlicht. Sie soll in erster Linie Impulse für das mediengestütze Unterrichten geben sowie zur fächerübergreifenden Zusammenarbeit und der Erstellung und Optimierung von schulinternen Medien-Curricula dienen.

Ist das Projekt in das medienpädagogische Konzept der Schule eingeflossen?

Das Projekt ist Teil des Medienkonzepts unserer Schule. In den nächsten Monaten werden die Fachschaften auf Grundlage der Kompetenzvorgaben neue schulinterne Lehrpläne verabschiedenen. Die Handreichung soll dazu animieren, für die Erreichung einzelner Kompetenzen mehr auf den Einsatz digitaler Medien zu achten, stärker zusammenzuarbeiten und fächerübergreifende Unterrichtsprojekte mit Tablets & Smartphones zu initiieren.

Welche Anforderungen an den Unterricht von heute und morgen sollen mit dem Projekt adressiert werden?

Eltern und ihre Kinder erwarten heutzutage von ihrer Schule, dass sie einen lebensnahen, inhaltlich relevanten und spannenden Unterricht bietet. Das Projekt „Der digitale Kanon“ bot all das und hat Schülerinnen und Schüler darüber hinaus aktiv an der Planung und Durchführung des Unterrichts beteiligt.

Aber auch für die Lehrkräfte bedeutet die intensive Beschäftigung mit digitalen Medien nicht nur Mehrarbeit. Wie die Handreichung anschaulich zeigt, lassen sich viele der von den Lehrplänen verlangten Kompetenzen in fächerübergreifenden Projekten erledigen, die langfristig gesehen eine enorme Entlastung für Lehrerinnen und Lehrer darstellen können.

Auch die vielfach beschworene neue Lehrerrolle, die mit dem Einsatz neuer Technologien einhergeht, bedeutet für die Lehrkraft nicht nur einen Kontrollverlust, sondern schafft vor allem neue Freiräume.

Die Möglichkeiten, die sich durch die kompetenzorientierten Lehrpläne und die Möglichkeiten des Einsatzes neuer Technologien bieten, sind enorm und werden von vielen Schulen nicht ausgeschöpft. Sie ermöglichen effektivere Zusammenarbeit und geben dem gesamten schulischen Handeln eine neue Relevanz, die das Potential hätte, das Ansehen der gesamten Institution Schule in der Gesellschaft nachhaltig zu verbessern.

Welche grundsätzlichen Veränderungen ergeben sich durch den Einsatz digitaler Endgeräte im Unterricht?

Lineares Unterrichten wie mit einem Schulbuch ist mit digitalen Endgeräten wenig sinnvoll und zudem nur schwer umzusetzen. Das ist für eine Lehrkraft, die für diese Art des Unterrichtens ausgebildet wurde, eine große Hürde und sie würde den Unterricht in einer Tablet-Klasse wohl als chaotisch bezeichnen. Tatsächlich passiert in den Köpfen der Schülerinnnen und Schüler jedoch das genaue Gegenteil: Sie werden durch den sinnvoll geplanten Unterricht mediengestützte Unterricht wesentlich produktiver, haben mehr Spaß am Unterricht und fühlen sich (im Gegensatz zur Lektüre eines für Kinder geamchten Schulbuchs) näher am „echten Leben“, da sie die gleichen (und ihnen zudem vertrauten!) Werkzeuge verwenden, wie sie in der (Arbeits-)Welt längst zum Standard geworden sind.

Was ist der Hauptnutzen der digitalen Medien für den individuellen Lernprozess?

Dadurch, dass sich jede Schülerin und jeder Schüler mit einer anderen Aufgabe beschäftigt hat und die Ergebnisse in Rekordzeit präsentiert, korrigiert und zusammengefasst werden konnten, ist ein beeindruckendes Produkt entstanden, das zugleich ein großes Ganzes ist und dennoch die jeweils individuelle Leistung erkennen lässt.

Was sind die Hauptherausforderungen der digitalen Medien für den individuellen Lernprozess?

Die für das Projekt zur Verfügung gestellten Tablets waren zwar einerseits für die Schülerinnen und Schüler nach kurzer Eingewöhnungszeit problemlos zu bedienen, andererseits war die für das Projekt angesetzte Zeit zu knapp für die Optimierung von Arbeitsabläufen, wodurch das Übertragen und Konvertieren von Daten in das richtige Format anfangs noch mehr Zeit als nötig in Anspruch nahm. Die Begeisterung über die Möglichkeiten der Tablets führte in der ersten Woche zudem noch zu einigen Ablenkungen, während dieser „Spielphase“ haben sich die Schülerinnen und Schüler jedoch extrem schnell gegenseitig die Bedienung der Geräte beigebracht und sind auf bisher unbekannte Funktionen gestoßen, die später hilfreich waren.
Darüber hinaus sehe ich die Finanzierung & Versicherung der Tablets als größte Herausforderung für den Einsatz in der Schule an.

2 Kommentare zu “Der digitale Kanon

  1. Pingback: Auszeichnung für “Der digitale Kanon” « Medienistik Blog

  2. Pingback: Das schulinterne Mediencurriculum « Medienistik Blog

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