Kämpf um deine Daten – Datenschutz und Privatsphäre in der Schule


Beim Lesen des Buches "Kämpfe um deine Daten" von Max Schrems geht einem ein Licht auf!

Beim Lesen des Buches „Kämpfe um deine Daten“ von Max Schrems geht einem ein Licht auf!

Der NSA-Skandal und die damit verbudenen Fragen um Privatsphäre und Datensicherheit im Internet sind für die Medienpägogik die größten Herausforderungen seit der Debatte um die digitale Demenz.

Im Gegensatz zu den teils dubiosen Thesen Spitzers sind die Argumente diesmal jedoch stichhaltiger und sollten tatsächlich ein Umdenken zur Folge haben.

Aber wie genau soll das ausshen? Was sollen wir eigentlich Schülerinnen und Schülern in Bezug auf den Umgang mit ihren Daten beibringen?

Ein Buch, das mir bei der Beantwortung dieser Frage enorm weitergeholfen hat, ist „Kämpf um deine Daten“ von Max Schrems. Der Autor gelang weltweit in die Schlagzeilen, nachdem er Facebook dazu gebracht hat, ihm (auf 1.222 Seiten!) die über ihn gesammelten Daten auszuhändigen.

Das Sachbuch schildert jedoch nicht nur, wie der Autor gegenüber Facebook seine Rechte auf Datenschutz einzuklagen versucht, sondern erklärt auf verständliche Weise, warum Privatsphäre wichtig ist und welche fundamentalen Unterschiede diesbezüglich zwischen Amerika und Deutschland existieren.

Warum der Datenschutz für Schulen wichtig ist

Das Problem, das sich diesbezüglich Schulen stellt, wird in einer Zwischenüberschrift des Buches treffend zusammengefasst: „Man könnte paranoid werden“. Denn in der Tat übertreffen die Snowden-Enthüllungen und die Möglichkeiten, die Algorithmen mittlerweile bei der Auswertung der gesammelten Daten bieten, jedes Vorstellungsvermögen.

Wer es sich als Lehrkraft also zum Ziel setzt, seine Schülerinnen und Schüler auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten, kommt an der Digitalisierung des Lebens und dessen Auswirkungen nicht vorbei – mehr noch: Eine Ausklammerung dieses Thema aus dem Unterricht wäre geradezu fahrlässig. Die Frage stellt sich jedoch, wie man die derzeitige Lage pädagogisch aufbereiten und in den Unterricht integrieren kann.

Auf die Lehrpläne kann man hier nicht setzen. Es ist ohnehin eine (jahrzehntealte) Enttäuschung, wie das Ministerium die technische Entwicklung bei ihren Vorgaben völlig ausblendet und auch in der Lehrerbildung das Thema IT und Internet kaum Beachtung findet.

Auch die Schulbuchverlage bieten hier wenig brauchbares Material. Man ist also weitgehend auf sich selbst gestellt, wenn man einen zeitgemäßen Unterricht mit lebensrelevanten Fragen auf die Beine stellen möchte.

Kämpf um deine Daten

Max Schrems Buch eignet sich in mehrerlei Hinsicht hervorragend für den Einsatz im Deutschunterricht und ich hoffe, dass ich in naher Zukunft eine Unterrichtsskizze und passende Materialien dazu entwickeln kann. Sobald ich das Buch im Unterricht eingesetzt habe, werde ich davon berichten und die Materialien online stellen.

Interessant ist, dass Schrems selbst von der Notwendigkeit einer Bewusstseinsbildung in Schulen überzeugt ist und er begründet dies wie folgt:



„Heute bringen wir unseren Kindern in 12 Jahren Schule vom Häkeln bis zur komplexen Physik, Chemie oder hochakademischen Rechenmodellen alles bei. Nur das Innenleben der Computer, der Netze oder Handys, die wir heute viel mehr nutzen als jedes andere Werkzeug, wird größtenteils vernachlässigt. Es reicht uns aus, dass wir damit arbeiten können, das Verstehen ist nebensächlich.

Einen Computer nicht nur zu nutzen, sondern zumindest auch in Grundzügen zu verstehen, wie er funktioniert, ist heute eine Frage der Allgemeinbildung. Auch Grundkenntnisse im Programmieren und Gestalten dieser Systeme ist nicht mehr nur ein Fall für spezielle technische Studien oder Lehrgänge, sondern wir müssen es schon längst als Kulturtechnik verstehen.“

(Max Schrems, Kämpf um deine Daten, S. 204)

An diesem Zitat lässt sich erkennen, dass eine Aufklärung über Datenschutz und Privatsphäre nicht mit ein paar Arbeitsblättern abgehandelt werden kann, sondern eine tiefergehende Aufklärung benötigt, die damit anfangen muss, die Funktionsweise eines Computers zu verstehen.

Wie dieses Ziel mit ganz einfachen Mitteln erreicht werden kann, habe ich durch die Arbeit mit dem Raspberry Pi in der Schule erfahren. Mit dem Mini-Computer, der wenig mehr als ein Schulbuch kostet, lassen sich alle wichtigen Kompetenzen zum Umgang mit Programmiersprachen erlernen und dies kann (z. B. in Kombination mit dem Spiel Minecraft) auf enorm motivierende Weise bereits in der 6. Klasse geschehen.

Konsequenzen für den Deutschunterricht der Zukunft

Ich sehe zudem keinen Grund, warum Programmiersprachen nicht Bestandteil eines modernen Deutschunterrichts sein sollten. Während sich die Welt in einem immer rasanteren Wandel befindet, werden in der Schule noch immer mit Vorliebe die Fragen behandelt, auf die es schon längst eine Antwort gibt. Wie unglaublich spannend könnte Deutschunterricht sein, der sich einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der modernen technischen Entwicklung stellt?

Im Bereich des Sachbuchs bietet sich wie gesagt das Werk von Max Schrems an, aber auch im Bereich der fiktionalen Literatur gibt es bereits moderne Klassiker, die eindrucksvoll zeigen, welche Gefahren die vernetzte Zukunft, in der unsere Kinder und Jugendlichen leben werden, bereithalten könnte. Hier ist vor allem „The Circle“ von Dave Eggers zu nennen. Der dystopische Roman zeigt, wozu eine Firma (die im Roman eine Mischung aus Facebook, Google und Apple ist) fähig wäre und welche Mechanismen Menschen dazu bringen, ihr gesamtes Leben zu digitalisieren. Mittlerweile ist der Roman auch auf Deutsch erhältlich (wie gelungen die Übersetzung ist, kann ich jedoch noch nicht sagen).

Was tun?

Für mich persönlich ergeben sich aus der aktuellen Debatte um die Sicherheit und Privatsphäre im Internet folgende Konsequenzen: Zunächst schätze ich den Wert von Open-Source-Software ganz neu ein. Nachdem ich mich durch den Raspberry Pi intensiver mit Linux beschäftigt habe, sehe ich keinen Grund mehr, warum man in der Schule nicht mit dem kostenlosen Betriebssystem und Software wie Libre Office, GIMP oder Firefox arbeiten sollte. Neben der Kostenersparnis sind vor allem die geringen Hardwareanforderungen ein klarer Vorteil. Keine Schule braucht Daten oder ganze Softwarepakete in der Cloud und die Open-Source-Community ist die einzige, die sich (im Gegensatz zu Microsoft oder Apple) wirklich um die Belange der Privatsphäre und des Datenschutzes kümmert.

Je länger ich mich mit ihm beschäftige, desto mehr zeigt der Raspberry Pi für mich, in welche Richtung IT-Einsatz in der Schule gehen sollte: Im Vordergrund sollte nicht Anwenderwissen stehen, das Schülerinnen und Schüler ohnehin größtenteils mitbringen, sondern ein Blick hinter die  glatte Fassade eines Smartphones oder Tablets: Was geht im Inneren dieser Geräte vor? Welche „Sprache“ sprechen diese Geräte eigentlich? Welche sozialen und politischen Folgen hat der digitale Wandel?

Das sind die Fragen des 21. Jahrhunderts, die Schulen adressieren müssen. Wenn man bedenkt, dass Lehrpläne noch nicht einmal das über 100 Jahre alte Medium Film wirklich berücksichtigen, sind hier alle Lehrkräfte aufgefordert, sich eingenständig zu informieren und fortzubilden. Das Buch „Kämpf um deine Daten“ von Max Schrems ist für auch für Menschen ohne großen technischen Sachverstand ein hervorragender Einstieg in die Themen Datenschutz und Privatsphäre. Es kann übrigens auf der Homepage des Autors versandkostenfrei bestellt werden – dann gehen zudem 2€ als Spende an die Organisation „Europe versus Facebook“.
Wer bis hierhin durchgehalten hat, interessiert sich offensichtlich dür die Themen Datenschutz und Privatsphäre und sollte abschließend einmal für ein paar Minuten Jacob Appelbaum (Erfinder des Tor-Anonymsierungsdienstes) zuhören (Start bei Minute 19:08, Bild & Ton sind leider nicht synchron):

Ein Kommentar zu “Kämpf um deine Daten – Datenschutz und Privatsphäre in der Schule

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