Hier ist alles super!


Ein Film gewordenes Manifest der Maker-Generation: LEGO The Movie (Bildquelle: Wikipedia)

Ein Film gewordenes Manifest der Maker-Generation: The Lego Movie (Bildquelle: Wikipedia)

Kinder eignen sich die Welt mit Spielzeug an. Würde sich der Wert eines Gegenstands an seiner emotionalen Bedeutung für einen Menschen messen, wären die teuersten Sachen der Welt Teddys und Spielzeugautos.

Spielzeug ist zudem quasi der König der Metaphern. Die ganze Welt und die wichtigsten Fragen der menschlichen Existenz verstecken sich in den Spielen von Kindern.

Filme, die das erkannt haben, gehören zu den besten aller Zeiten, allen voran Toy Story 3. Der Pixar-Film ist eine perfekt erzählte Parabel über Leben und Tod, er thematisiert Vernichtung und Erlösung. Wie die Grimmschen Märchen spricht er zudem Kinder und Erwachsene gleichermaßen an.

Nun gibt es einen weiteren Ausnahmefilm, der die gleiche Stufe der Perfektion erreicht: The Lego Movie. Er erzählt eine Geschichte über die Macht der Phantasie, den Mut, eigene Wege zu gehen und das auf eine Weise, die alle Altersstufen anspricht.

Natürlich handelt es sich um einen Trickfilm, aber die Figuren sind nicht am Computer animiert worden, sondern wurden Bild für Bild von Hand zusammengesetzt. Die Liebe zum Detail kann man erst jetzt, da der Film zum Download erhältlich ist, wirklich würdigen. The Lego Movie möchte man sich am liebsten Frame für Frame und vor allem mehr als nur einmal anschauen, denn jedes Bild ist ein kleines Kunstwerk.

Die Story ist bereits im Film selbst (vor allem bedingt durch das fantastische Ende) mehrschichtig, wagt man sich an eine Interpretation, kommen noch mehrere Ebenen hinzu. Der Held ist ein einfacher Arbeiter namens Emmet, der Lego-Modelle nach Anleitung baut und durch einen Zufall aus seiner Welt gerissen und zum „Besonderen“ erkoren wird. Das ist übrigens bei Weitem nicht die einzige Referenz an die Matrix-Trilogie. Auch The Lego Movie enthält verschiedene Dimensionen und spielt mit Realität und Fiktion.

Im Laufe des Films prallen zwei Ideologien aufeinander. Emmets Welt ist gleichgeschaltet und von einem omnipotenten Herrscher regiert, dem Gegenüber steht die Parallelwelt der Meisterbauer, die nicht nach Anleitung bauen, sondern Steine zweckentfremden und kreativ neue Welten schaffen. Die geordnete Erwachsenenwelt trifft auf die chaotische Kinderwelt, der kommunistische Osten auf den individualistischen Westen. Der Film endet übrigens – so viel sei verraten – nicht mit der Vernichtung einer Seite, sondern deren Kooperation.

The Lego Movie ist aber noch viel mehr – er ist vor allem ein Film gewordenes Manifest der Maker-Community, die chaotisch ist, ausprobiert, umbaut und Neues erschafft. Keine Metapher visualisiert den Geist dieser Weltanschauung besser als der Legostein. Zudem ist der Stop-Motion-Legofilm ein Genre, das von Fans erfunden und erst deutlich später von Lego selbst verwendet wurde.

Was der Zuschauer in diesen Filmen sieht, ist ein inszeniertes Spiel, das wird in jeder Einstellung deutlich. Und doch ist die Legowelt, die der Zuschauer in The Lego Movie sieht, logischer als in den meisten Hollywood-Produktionen. Schließlich ist alles möglich, was man aus Lego-Bausteinen zusammensetzen kann. Die Grenzen der Welt sind lediglich durch die Phantasie begrenzt.

The Lego Movie beherrscht dieses Spiel mit dem Medium perfekt. Im Gegensatz zu mancher Fanproduktion kann dieser Film nur mit Legosteinen erzählt werden. Er ist übrigens auch kein geschickt verpackter Werbefilm. Natürlich wird er den Verkauf von Legosets ordentlich ankurbeln, aber nicht, weil er den Zuschauer manipuliert, sondern weil er zeigt, was das Lego-System eigentlich auszeichnet: Es ist wie Stift und Papier ein Medium, das der eigenen Phantasie eine Gestalt geben kann.

Auf der sehr kritischen International Movie Database hat The Lego Movie 8 von 10 Punkten erreicht – ein echtes Traumergebnis, das jedoch völlig berechtigt ist. Wer sich mit Filmen und dem Erzählen von Geschichten beschäftigt, muss eigentlich zwangsläufig von The Lego Movie begeistert sein. Und auch für alle anderen gilt: Diesen Film muss man gesehen haben!

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