Uhrsache und Wirkung


Für mich eher beängstigend als lockend: Werbung für die Apple Watch

Für mich eher beängstigend als lockend: Werbung für die Apple Watch (Quelle: http://www.apple.de)

Die Apple Watch ist ein Produkt, wie man es von Apple erwartet hat: Sie ist wunderschön verarbeitet, besitzt innovative Software und eine extrem einfache Bedienung.

Nur in einer Hinsicht bricht Apple mit einer Tradition, die das Unternehmen für mich erst attraktiv gemacht hat: Die Apple Watch ist nämlich meines Erachtens für Bildungszwecke vollkommen nutzlos.

Das mag für die meisten Käufer egal sein, für mich zeigt sich jedoch, dass Apple mit diesem Produkt eine neue Richtung einschlägt. Das iPad war für Schulen ein tolles Produkt, ebenso zuvor der Mac, aber die neusten technischen Gadgets wie die Apple Watch (oder auch Google Glass) machen mir den jeweiligen Nutzer dieser Technik eher suspekt als sympathisch.

Das geht so weit, dass ich in meiner Funktion als Pädagoge eigentlich aktiv von der Benutzung dieser Geräte abraten müsste, denn die Apple Watch ermöglicht die Erhebung von Daten, die die Grenze des Privaten endgültig überschreitet. Will man wirklich seine körperliche Reaktion auf alle Dinge des Lebens aufgezeichnet haben?

Wer sich auch nur ein wenig mit der Macht von Algorithmen auskennt, weiß, welche ungeheuren Möglichkeiten mit der Speicherung von Gesundheitsdaten ergeben: Der Puls liegt am Vormittag über dem Durchschnitt? Ein Zeichen für Stress am Arbeitsplatz – also sollte diese Person vermehrt Werbung für Wellness-Urlaube und Ratgeber-Bücher bekommen.

Zudem führt das Verbinden der Technik mit dem eigenen Körper dazu, dass man den ständigen Benachrichtigungen und Updates aus der digitalen Welt noch schlechter als mit einem Smartphone entfliehen kann. Wer mit einem Apple Watch-Träger spricht, weiß nie, ob ihm nicht gerade seine neuste Flamme den eigenen Herzschlag sendet oder der plötzliche Aufbruch daher rührt, dass das Gerät just dazu animiert hat, sich mehr zu bewegen.

Hinzu kommt, dass die Werbung von Apple für mich zum ersten Mal beängstigend klingt, hier ein Beispiel:

„Die Apple Watch misst mit diesem Sensor [gemeint sind LEDs und Fotodioden zur Messung des Pulses], dem Beschleunigungssensor sowie GPS und WLAN in deinem iPhone alle Arten körperlicher Aktivität, vom einfachen Aufstehen bis zum Workout. Dadurch kann dir die Apple Watch ein vollständiges Bild deiner täglichen Aktivität liefern, persönliche Ziele vorschlagen und dich belohnen, wenn du besonders große Ziele erreichst.“

Wer kann ernsthaft wollen, dass neben den ohnehin schon vom Smartphone und Computer erhobenen Daten in Zukunft auch „alle Arten körperlicher Aktivität“ aufgezeichnet werden, damit Apple ein „vollständiges Bild“ von einem bekommt, um einen „belohnen“ zu können?

Früher habe ich Menschen mit einem iPhone beneidet, weil das Gerät das Internet in die Tasche brachte. Sein Nutzen lag buchstäblich auf der Hand und selbst im Zeitalter des NSA-Skandals fällt die Abwägung zwischen „nützlich“ und „invasiv“ beim Smartphone knapp zu Gunsten von „nützlich“ aus.

Die Apple Watch hingegen lässt die Waage auf die andere Seite kippen. Nützlich – vor allem in Hinsicht auf Bildung – ist für mich an diesem Gerät fast nichts, der Eingriff in die Privatsphäre ist hingegen umso höher, mal ganz davon abgesehen, dass der „dezente“ Blick auf die Uhr wohl noch mehr nerven wird als das offensichtliche Starren aufs Smartphone.

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