Bildungsthemen auf der re:publica 2015


Die glücklichen Gewinner des Code Week-Awards 2015 auf der re:publica

Die glücklichen Gewinner des Code Week-Awards 2015 auf der re:publica

Im Rahmen des Code Week Awards habe ich dieses Jahr die re:publica besucht und dort von der langen Coding-Nacht am Georgs berichtet. Natürlich waren auch die anderen Preisträger anwesend, die ihre allesamt grandiosen Projekte und Initiativen vorgestellt haben.

Auch das Medienecho war groß – die auf der Bühne gebastelten Voodoo-Puppen (hier die Bastelanleitung) haben es sogar in die rbb-Abendschau geschafft.

Die gesamte Veranstaltung wurde aufgezeichnet und lässt sich hier noch einmal anschauen:

Jugendliche erklären Erwachsenen das Internet

Diese Session war jedoch nicht die einzige, die sich mit Bildungsfragen beschäftigt hat. Einen für alle Lehrkräfte hochinteressanten Einblick in die Medienwirklichkeit von Jugendlichen bietet die Session „Komm, ich erklär´ Dir mal das Internet“ mit Pauline Rénevier, Valeria Eisenbart und  Joshua Arntzen. Modriert wurde das Gespräch von Geraldine de Bastion.

Wer erfahren möchte, wie Kinder und Jugendliche Medien konsumieren, welchen Druck es gibt, immer das neuste Gadget zu haben und welche Apps und Netzwerke derzeit von Jungedlichen genutzt werden, sollte den Vortrag auf jeden Fall anschauen – es lohnt sich!

Auf die Frage eines besorgten Vaters, was Eltern tun sollten, um ihre Kinder im Internet zu begleiten, lautet die Antwort von Joshua Arntzen: „Macht euch nicht so viele Sorgen. Ihr macht euch da so unglaublich viel Stress.“ Das macht doch Mut. Und auch die Frage, warum Jugendliche keine Zeitung mehr lesen, wird von Pauline Rénevier geklärt: „Ich habe mir mal vorgenommen, Zeitung zu lesen, aber ich komm einfach mit dem Falten nicht klar. Daher hab ich es dann gelassen.“

Die nächste Art zu arbeiten

Auch an Schulen nimmt die E-Mail-Flut weiter zu. Diesem Problem haben sich Stefan Pfeiffer und Gerhard Pfau von IBM angenommen und ebenfalls einen Vortrag auf der re:publica gehalten. Darin geht es vor allem um die Methode des Design Thinking und der Art und Weise, wie IBM Probleme löst und versucht, kundenfreundliche Produkte herzustellen.

Wie lange wird es wohl dauen, bis Schulen sich mit einem ähnlichen Engagement daran machen, das vollkommen veraltete Bildungssystem neu zu denken? Der Vortrag bietet einen interessanten Einblick in die moderne Arbeitswelt einer globalen Firma und wie sie vorgeht, um ein Problem von Grund auf zu verstehen und zu lösen. Bitte vom Business-Denglisch nicht abschrecken lassen.

Adieu Schwarmintelligenz

Auch der allseits beliebte Gunter Dueck war wieder mit dabei und hat einen vielbeachteten Vortrag über „Schwarmdummheit“ gehalten, in dem man einiges lernen kann über die Definition von Dummheit, hohle Slogans, die sinnvolle Gestaltung von Arbeitsplätzen und die Entsehung von Pegida.

Mit dem Universum singen

Es gab auch etwas freakige Vorträge – z. B. das gemeinsame Brummen und Schweigen mit Bilal Ghalib. Ziel dieser Veranstaltung war es, den Fokus auf das zu lenken, was einem wirklich wichtig ist. Wer sich auf den leicht esoterischen Touch und die alternativen Methoden zur spielerischen „Bewusstseinserweiterung“ einlässt, kann aus dieser Session vielleicht etwas für seinen Methodenkasten (oder vielleicht sogar seine eigene Lebensgestaltung) mitnehmen.

Inklusion: Ein gutes Leben für alle

Auch das Thema Inklusion kam zur Sprache. Der sehr einsteigerfreundliche Talk von Mareice Kaiser und Raúl Aguayo-Krauthausen fängt bei einer Definition von Inklusion an und zeigt, welche Dimensionen das Thema hat. Es geht nämlich nicht nur um das Thema Behinderung, sondern auch um Rassismus, Gleichberechtigung der Geschlechter und schwer zu ändernde Machtverhältnisse.

Inklusion ist laut den Rednern kein Ziel, sondern ein Prozess. Und noch einfacher ist folgende Definition von Inklusion: ein gutes Leben für alle. Vielleicht sollte man diesen Slogan auch an der Schule verwendet – klingt doch gleich ganz anders.

Zurück in die Zukunft

Leider nicht ins Internet geschafft hat es der tolle Vortrag „Wie wir mit Begeisterung das totalüberwachte Bildungssystem einführten – eine Rückschau auf die Jahre 2015 bis 2025“ von Jöran Muuß-Merholz. Darin schlüpfte der Redner in die Rolle eines Zeitreisenden, der davon berichtet, wie die Totalüberwachung der Schülerinnen und Schüler verläuft, äh… verlaufen ist, nein ich meine verlaufen wird.

Verschiedene Ereignisse führen erst zur Zentralisierung der Bildung und schließlich zur Registrierung, Speicherung und Auswertung aller schulischen Aktivitäten – natürlich zum Wohle aller. Wer „Der Circle“ gelesen und genossen hat, wäre auch von diesem Vortrag überaus angetan gewesen. Es bleibt zu hoffen, dass Jöran einmal sein Manuskript veröffentlicht. Vielleicht taucht ja auch das Video, das der Mann in der ersten Reihe gedreht hat, irgendwann mal im Netz auf.

edit: mittlerweile hat Jöran das Video seines Vortrags hochgeladen – hier ist es:

Eine re:publica für die Jugend

Und dann ist da noch der vielleicht wichtigste Vortrag in Hinblick auf die Zukunft der re:publica von Tanja und Johnny Haeusler, zwei Mitbegründer der re:publica. Sie haben bereits 2013 für Furore gesorgt mit ihrem Vortrag „Netzgemüse: The Kids Are Allright“.

Sie kündigten an, dass im nächsten Jahr eine neue Veranstaltung startet, ein „Teenage Inter-Network“. eine Bühne für Jugendliche mit dem Namen Tincon. Sie wird vom 27.-29. Mai im Haus der Berliner Festspiele in Berlin stattfinden. Weitere Städte sollen folgen. Mehr Infos gibt es auf der Internetseite tincon.org. Am besten dort gleich für den Newsletter eintragen.

Fazit

Auf der re:publica gab es viel Kritik am Schulsystem und auch eine gewisse Verzweiflung. Die Initiative „Tincon“ sollte als Hilfeschrei von Menschen verstanden werden, die nicht länger zusehen möchten, wie die Schule die Zukunft ihrer Kinder aufs Spiel setzt, indem sie digitale Medien bekämpft und verbietet, statt den kreativen Umgang damit zu lehren.

4 Kommentare zu “Bildungsthemen auf der re:publica 2015

  1. Pingback: J&K – Jöran und Konsorten » » Wie wir mit Begeisterung das totalüberwachte Bildungssystem einführen werden

  2. Pingback: Alle sechs Jahre wieder - Die re:publica - Online By Nature

  3. Pingback: Bildungsthemen auf der re:publica | Fortbildung in Bibliotheken

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