Digitale Bildung von unten


IdeenExpo 2015: Viele interessierte Schüler, kaum Lehrer

IdeenExpo 2015: Viele interessierte Schüler, kaum Lehrer

Es ist ein offenes Geheimnis, dass medienpädagogische Fortbildungen kein Publikumsmagnet sind. Die Frage, wie sich Computer im Unterricht einsetzen lassen, scheint die meisten Lehrkräfte kaum zu interessieren.

Zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Zu einem Vortrag zur Bedeutung von Computerspielen im Unterricht in München (im Rahmen der Ausstellung „Archäologie der Zukunft“ im Ägyptischen Museum – hier ein kurzer Video-Beitrag des Bayrischen Rundfunks) erschien genau eine Lehrkraft, trotz intensiver Werbung an allen Schulen im Umkreis.

Nun gut, vielleicht hat der Eintrittspreis abgeschreckt, aber selbst als ich eine Woche davor einen Workshop auf der Ideen Expo Hannover mit Deutschlands bekanntestem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar durchgeführt habe – der dazu noch kostenlos war – kamen nur wenige Lehrkräfte.

Was tun?

Es ist immer das gleiche Bild: Schüler und Eltern sind hellauf begeistert, sobald Computer im Unterricht zum Einsatz können oder über Kommunikation im Internet diskutiert wird. Die Lehrkräfte selbst sind jedoch größtenteils skeptisch gegenüber den neuen Medien.

Selbst Ranga Yogeshwar und die YouTube-Stars Fräulein Chaos und VloVloggt lockten die Lehrkräfte nicht.

Selbst Ranga Yogeshwar und die YouTube-Stars Fräulein Chaos und VloVloggt lockten die Lehrkräfte nicht.

Gut so, sagen einige Vertreter der Lehrerverbände, die ohnehin die Unabhängigkeit des Unterrichts durch Firmen wie Google, Facebook und Apple bedroht sehen. Und sie werden in dieser Sicht von den Berufsverbänden noch bestärkt.

Zwar fordert beispielsweise der Bayerische Philologenverband in der Broschüre „Digitalen Welten“, dass Medienkompetenz eine Kulturtechnik sei, die in der Schule vermittelt werden müsse. Konkrete Beispiele finden sich jedoch nicht.

Stattdessen wird eine Korrelation zwischen WLAN und ADHS nahegelegt mit dem Fazit: „im Zweifelsfall ist eine Kabellösung vorzuziehen.“ Das ist natürlich im Zeitalter von Smartphones und Tablets eine weniger hilfreiche Anweisung.

Die Politik ist weiter

Am 15. Juni fand der Kongress „Bildung 2.0“ im Deutschen Bundestag statt. Anwesend waren alle Global-Player der digitalen Welt von Google über Facebook bis hin zu Samsung. Auch Politiker, allen voran Sven Volmering (CDU), setzen sich mittlerweile offensiv für die Stärkung der Medienkompetenz in den Schulen ein. Zusammen macht man Politik und stellte die Weichen für die kommenden Jahre. Lehrkräfte sind in diese Diskussion jedoch kaum involviert.

Ohne sie funktioniert die Vermittlung von Medienkompetenz jedoch nicht und so läuft es anscheinend auch in der digitalen Bildung auf eine Patt-Situation hinaus, wie wir sie in letzter Zeit häufiger beobachten konnten: Etwa beim G8 (in Niedersachsen mittlerweile abgeschafft) oder bei der Inklusion, über die jüngst die GEW verlauten ließ: „Die Akzeptanz für inklusive Beschulung geht fünf Jahre nach ihrer Einführung […] gegen Null.“

Schüler aktivieren

Wer soll also den Schülerinnen und Schülern zeigen, wie sie mit der neuen Technik die Welt verändern können? Einen interessanten Weg schlägt hier das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg ein.

Für mich nach wie vor das beste Medium für digitale Bildung: Der Raspberry Pi

Für mich nach wie vor das beste Medium für digitale Bildung: Der Raspberry Pi

Es bildet Schülerinnen und Schüler mit einem Schüler-Medienmentoren-Programm (SMEP) zu Experten aus, die ihr Wissen dann wiederum an andere weitergeben. Wie das konkret abläuft, konnte ich vor einigen Wochen live erleben, als ich im Gymnasium Neuenbürg einen Raspberry Pi-Workshop veranstaltet habe.

Der Ansatz ist nicht neu. An vielen Schulen kommen beispielsweise Medienscouts zum Einsatz, die eine ähnliche Funktion übernehmen. Auch die von mir geleitete Raspberry Pi-AG wird im nächsten Schuljahr von zwei Achtklässlern geleitet, die zuvor ein Jahr lang die AG begleitet haben.

Wer bildet digital?

Derzeit werden Kinder und Jugendliche in erster Linie von Samsung, Apple, Facebook, YouTube & Co. digital gebildet – und das ziemlich effektiv. Die Kluft zwischen Lebenswelt und Schule darf jedoch nicht zu groß werden und gerade hinsichtlich der Themen Datenschutz, Open Source Software (Lesetipp: Open Source und Schule von Sebastian Seitz) und Sicherung der Privatsphäre sind Schule und Universitäten gefragt.

Eigentlich sollte die digitale Revolution in den Schulen in erster Linie von den Lehrkräften vorangetrieben werden und nicht von der Politik oder den Konzernen. Wir sind es schließlich, deren Aufgabe es ist, Kinder auf das Leben in der Zukunft vorzubereiten. Lehrer sollten daher noch mehr als andere Berufsgruppen am Puls der Zeit fühlen, um diese Aufgabe sinnvoll erfüllen zu können.

Zukunftsprognosen fallen ja nicht immer leicht, aber eins ist sicher: Computer werden zukünftig in allen Lebensbereichen eine zentrale Rolle spielen und wer diese Welt aktiv gestalten oder auch nur selbstbestimmt leben möchte, muss sich mit der entsprechenden Technik auskennen. Warum also nicht selbst eine Raspberry Pi-AG ins Leben rufen? Unterrichtsmaterialien und Stundenverläufe lassen sich hier kostenlos herunterladen.

P.S.: Noch eine Info in eigener Sache zum Schluss: Ich bin von Bocholt nach Düsseldorf umgezogen und unterrichte hier im neuen Schuljahr am Luisen-Gymnasium. Ich freue mich schon sehr auf das Leben in der Landeshauptstadt. Endlich habe ich auch ein Fab Lab vor der Tür – mal sehen, welche Möglichkeiten sich da ergeben.

 

Ein Kommentar zu “Digitale Bildung von unten

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