„Nichts tun ist nicht genug!“ – Rassismus thematisieren mit dem Film Blue Eyed


Blue Eyed

Die Doku „Blue Eyed“ zeigte bereits 1996 im Vorspann die US-Flagge verkehrt herum. Über 20 Jahre später wurde das zum Symbol der Black Lives Matter-Bewegung

Black Lives Matter. Eine demütig formulierte Forderung, die 150 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei in Amerika eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Aber noch immer führt Rassismus zu Hass, Ausgrenzung und sogar Mord: George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Abery stehen stellvertretend für die unzähligen Opfer von rassistischen Ideologien, nicht nur in Amerika.

Alle Lehrkräfte sind daher im Unterricht nicht nur dazu aufgefordert, sondern laut Grundgesetz verpflichtet, Rassismus zu bekämpfen. Wie aber kann man als Einzelperson das erreichen, was offenbar die gesamte Menschheit nicht zustande bringt?

Killer Mike, Sänger der Band „Run the Jewels“ und politisch überaus engagiert, hat im Interview mit der US-Talkshowlegende Stephen Colbert eine Antwort auf diese Frage parat: Wer erleben möchte, wie Rassismus effektiv bekämpft werden kann, sollte sich mit dem Lebenswerk von Jane Elliot beschäftigen.

Nachdem ich das Video gesehen hatte, verfasste ich folgenden Kommentar:

Bildschirmfoto 2020-07-18 um 12.02.16Daraufhin meldeten sich einige weitere Personen zu Wort, die mich darin bestärkt haben, das Thema hier im Blog noch einmal ausführlicher zu behandeln:

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Die von mir angesprochene Dokumentation nennt sich „Blue Eyed“ (Regisseur: Bertram Verhaag) und erschien 1996. Sie portraitiert die ehemalige Grundschullehrerin Jane Elliot, die nach der Ermordung von Martin Luther King am 4. April 1984 ihren Schülerinnen und Schülern erklären wollte, warum er ermordet wurde und so beschloss sie, ihre Klasse in einer rein weißen  einen Tag lang in den Schuhen eines schwarzen Kindes gehen zu lassen.

Dazu teilte sie die Klasse in zwei Gruppen: die Blauäugigen und die Braunäugigen. Denn, so begann das Rollenspiel, wenn man Menschen nach der Farbe ihrer Haut beurteilt, kann man sie auch nach der Farbe ihrer Augen beurteilen. Sie legte der einen Hälfte der Klasse einen grünen Kragen um und begann, sie systematisch zu benachteiligen, zu verspotten und zu erniedrigen. Spätestens als am nächsten Tag die Rollen getauscht wurden, begriffen die Kinder, warum die Lehrerin sich so grausam verhalten hat. Sie haben am eigenen Leib erfahren, wie sich Rassismus für die Betroffenen anfühlt, wie es ist, anders behandelt zu werden aufgrund eines körperlichen Merkmals, das man nicht beeinflussen kann.

Das Experiment wurde zunächst in der Tageszeitung und später in der landesweit ausgestrahlten Johnny-Carson-Show vorgestellt und Jane Elliot bekam viel Zuspruch, Gleichzeitig regte sich aber Protest gegen ihr Engagement, der sich nicht nur gegen sie selbst, sondern vor allem ihre Familie richtete: Ihre Kinder wurden geschlagen und das Restaurant ihrer Eltern boykottiert.

Die Geschichte des Experiments und die erneute Durchführung in einem Workshop mit erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind Thema der Dokumentation „Blue Eyed“, die sich hervorragend für den Einsatz im Unterricht in unterschiedlichsten Fächern eignet. Die folgenden Ausschnitte geben einen Eindruck davon, was einen in dem Film erwartet:

In dem Film nimmt der Zuschauer die Perspektive einer Teilnehmerin bzw. eines Teilnehmers an einem Workshop von Jane Elliot ein, deren erklärtes Ziel es ist, dass Rassismus sozial geächtet wird. Im Film gibt es eine Reihe bemerkenswerter Zitate, die ihre Denkweise erläutern:

„Ich möchte, dass jeder Weiße in diesem Saal aufsteht, der so behandelt zu werden wünscht, wie unsere schwarzen Mitbürger üblicherweise in diesem Land behandelt werden. […] Keiner steht auf? Das zeigt deutlich genug, dass sie wissen, was vorgeht. Sie wünschen sich das nicht für sich. Ich würde gerne wissen, warum sie es so bereitwillig für andere akzeptieren.“

„Dieses Übel kann nur weiterbestehen, wenn wir nichts tun. Der größte Teil der Weißen tut nichts. Solange wir nichts tun zeigen wir uns einverstanden it denen, die das Negative tun. Nichts tun ist nicht genug.“

„Die Idee mit der Übung kam mir, als ich ein Buch über die Praktiken der Nazis las. Hitler wollte Arier schaffen. Ich beschloss das zu tun, was Hitler machte. […] Das Furchtbarste ist zu sehen, wie leicht es funktioniert. Einschüchterung funktioniert.“

„Wir verschlimmern das Elend, statt es zu beenden. Kümmert sie das?“

„Im tiefsten Inneren wissen sie alle, dass ich sie anlüge. Sie wissen, dass ich Unrecht habe. Wird es dann leichter für sie? Nein! Können Sie irgendetwas ändern? Nein.“

Zur Dokumentation gibt es zudem umfangreiches Begleitmaterial der Bundeszentrale für politische Bildung.

Das Experiment von Elliot wurde übrigens vor ein paar Jahren fürs deutsche Fernsehen wiederholt unter dem Titel „Der Rassist in uns“. Der Beitrag ist über die ZDF-Mediathek kostenlos abrufbar. Über das Experiment wurde in zahlreichen Medien berichtet, u. a. in der WELT und Spiegel Online.

Für eine vertiefte Behandlung des Themas Rassismus ist auch die Dokumentation Rassismus – Die Geschichte eines Wahns empfehlenswert sowie der Beitrag „Über die rassistischen Wurzeln von Wissenschaft“ im Deutschlandfunk.

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