Das Ultimore-Projekt, Teil 2 – Weg der Wiedererlangung

Das Ultimore-Projekt hat in der letzten Woche eine überraschende Wendung genommen, aber lest selbst: Es folgt der zweite Teil des Ultimore-Projekts. Der folgende Text ist wieder eine Übersetzung des englischen Blog-Beitrags von „Daemon Master“:

Tretet näher und vernehmet, welche Ereignisse sich seit eurem letzten Abenteuer zugetragen haben.

Es ist nun eine Woche vergangen, seit ich in meinem letzten Artikel (hier im Original und hier auf Deutsch) erklärt habe, was genau Ultimore ist und diese Woche war einfach unglaublich! „Wiedergefunden“ war definitiv das Schlüsselwort für diese Woche und ich habe für dich, lieber Leserin und liebe Leser, einige Geschichten zu erzählen – sowohl banale als auch außergewöhnliche.

Die Wiederentdeckung von „A World Divided“

Ich bin die letzte Woche durch die gefährlichen Landschaften von Sosaria gereist, habe widerliche Kreaturen niedergeschlagen, die unergründlichen Tiefen der Dungeons erforscht und bin tapfer dorthin gegangen, wo nur wenige Abenteurer vor mir waren.

Ich habe die „aufregenderen“ Teile meines Abenteuers auf Twitch gestreamt und habe in näherer Zukunft vor, diese Streams in ein sehr viel kompakteres YouTube-Video zu schneiden. Bis auf eine Stadt, zwei Burgen und eine Handvoll Dungeons habe ich zudem alles kartografiert.

Die zerstörte Stadt Wypic II Meshir

Entweder aufgrund eines defekten Disk-Images, einer Inkompatibilität mit der von mir verwendeten Version von Ultima III oder wegen eines Fehlers im ursprünglichen Kartendesign bin ich an einer weiteren Sackgasse im Spiel angekommen, während ich das Reich Ambrosia jenseits des Strudels erkundet habe.

Normalerweise erscheint ein Piratenschiff im Nord-Westen der Karte, das den Spieler angreift, wenn er erst einmal die Küste erreicht hat. Dieses kann gekapert und dann dazu benutzt werden, den „Shrine of Intelligence“ zu erreichen, wo die „Card of Moons“ zu finden sind. Ohne diese kann Exodus am Ende nicht besiegt werden.

Leider kann das besagte Piratenschiff den Spieler nicht erreichen. Es bleibt immer in der Landschaft stecken und kann nicht zum Spieler durchdringen.

Eine Zeitlang war ich besorgt.

Rettung kam in Form des „Ultima III: Exodus Construction Set“, programmiert und 1984 veröffentlicht von Dan Gartung. Ein Image dieser Diskette ist online verfügbar und mit dessen Hilfe kann man – nachdem man verstanden hat, wie die Software funktioniert – das problematische Schiff aus dem Wasser heben und ein wenig weiter östlich wieder einsetzen, wo es nun Land erreichen und die Aufmerksamkeit des Helden auf sich ziehen kann.

Das Piratenschiff (P) blieb an der rot markierten Stelle auf der Ambrosia-Karte stecken.

Dieser einfache Fix funktionierte tatsächlich und ich war in der Lage, mein Abenteuer fortzusetzen und die Card of Moos zu ergattern, wodurch sich die Intelligenz meines Zauberers auf 99 Punkte erhöhte.

An einer anderen Stelle in Ambrosia war ein Pass in den Bergen geschlossen und dadurch ein Bereich unzugänglich. Es erschien mir, als sei es ursprünglich geplant gewesen, dass dieser Bereich zugänglich sein sollte und dass dies entweder durch einen Bug, Inkompatibilität oder einen Designfehler nicht möglich war. Also öffnete ich wieder das Construction Kit und dieses Mal änderte ich ein einzelnes Berg-Tile in ein Gras-Tile und erhielt so Zugang zum versteckten Tal.

Ich habe vor, noch einmal alle Karten durchzusehen, sobald ich das Spiel beendet habe und jedwedes „Problem“ dieser Art behebe. Zum Glück tauchen diese sehr selten auf, aber einige davon machen das Spiel unlösbar. Ich werde dann eine revidierte Image-Datei hochladen, damit nicht noch andere die Karten ändern müssen oder Save-Game-Editoren verwenden müssen, um das Problem zu umgehen.

Die Entdeckung von „Egypt“

Ich habe in meinem vorherigen Artikel erwähnt, dass es Tobias Hübner war, der „Ultimore: Egypt“ im Dezember letzten Jahres entdeckt und geteilt hat.

Ich habe ihm auf Twitter ein paar Fragen gestellt, da ich mir lediglich vorstellen konnte, wie aufregend es war, die verlorene Erweiterung entdeckt zu haben.

Wann hast du zuerst ein Ultima-Spiel gespielt, welches war es genau und auf welcher Plattform hast du es gespielt (Apple/PC/C64)?

Mein erstes Ultima war Ultima Underworld, das ich auf meinem i486SX mit 25 MHz gespielt habe. Ein Freund von mir hatte das Spiel in der Original-Box und ich kann mich noch erinnern, wie beeindruckt ich von dieser Box und seinem Inhalt war: Die Runen-Steine im Stoffbeutel, die Karte und das schön gestaltete Lösungsbuch. Aber ich glaube ich bin nie über das zweite Level hinaus gekommen, weil ich erst 12 Jahre alt war und kein Englisch sprach.

20 Jahre später stieß ich auf einen alten Apple IIe, der im Müll landen sollte. Ich liebe alte Technik, also habe ich ihn behalten und er lief auch einwandfrei. Ich habe mich dann näher mit diesem Computer beschäftigt und seitdem bin ich ein Apple II-Fan. Natürlich waren Computerspiele eines der ersten Dinge, die ich auf dem alten Rechner ausprobiert habe, Ich habe gelesen, dass die ersten fünf Ultima-Spiele auf einem Apple II entwickelt wurden und ich wollte herausfinden, ob diese Spiele noch immer Spaß machten.

So kam eins zum anderen und ich begann, alle Ultima-Spiele zu sammeln, was sich als ziemlich schwieriges Unterfangen herausstellte. Ich brauchte mehrere Jahre, bis ich alle Spiele von I bis IX für einen vernünftigen Preis gefunden hatte.

Wann hast du zum ersten Mal von Ultimore gehört?

Wie ich schon erwähnt hatte, sammle ich Ultima-Spiele, daher schaue ich regelmäßig auf eBay, ob es ein gutes Angebot gibt. Vor etwa einem Jahr suchte ich nach dem Ultima III hint book – das extrem schwer zu finden ist – und stieß dabei auf eine Version von Ultima III mit dem besagten Lösungsbuch. Dass dieses seltene Buch Teil der Auktion war, wurde im Titel gar nicht erwähnt. Wahrscheinlich hat es die Person, die das Spiel verkauft hat, gar nicht gewusst, dass es nicht zum Original-Spiel gehört. Dann sah ich ein Foto mit einigen Disketten, die ebenfalls in der Packung waren. Das ist nicht außergewöhnlich, da man zum Spielen von Ultima III zunächst eine Kopie der „Player Disk“ machen musste. Aber dann las ich den Namen „Ultimore“ auf eine der Disketten, recherchierte den Namen im Internet und las, dass es sich dabei um ein inoffiziellen Add-On zu Ultima handelt. Ich las außerdem, dass die „A World Divided“-Erweiterung die einzige war, die irgendjemand in den letzten 30 Jahren gespielt hatte, alle anderen Teile galten als verloren.

Wie hast du die Disketten mit den zwei Ultimore-Erweiterungen erworben?

Natürlich kaufte ich das Spiel auf eBay. Ich lebe in Deutschland und der Verkäufer in den Vereinigten Staaten, also dauerte es einige Wochen, bis das Spiel ankam. Zu dieser Zeit war ich Beta-Tester von „Nox Archaist“, eine Art Ultima-Homage, für den Apple II. Dadurch kam ich in Kontakt mit vielen Apple II-Enthusiasten, die ich nach der Ultimore-Erweiterung fragte und eine Person wusste tatsächlich mehr zu berichten. Er sagte mir, dass jemand einst versucht hat, Joel Fenton, den Programmierer von Ultimore, zu kontaktieren, um die verlorenen Erweiterungen ans Licht zu bringen. Dieser Versuch scheiterte jedoch.

Was hast du empfunden und/oder gedachte, als du die Disketten erworben/entdeckt hast?

Ich war wirklich aufgeregt, als ich die Disketten in meinen Apple IIe einlegte und sah, dass sie wirklich funktionierten. Wenn man eine 35 Jahre alte Diskette kauft, ist es nicht ungewöhnlich, wenn sie nicht mehr funktioniert. Nachdem ich das Spiel eine zeitlang gespielt hatte, habe ich mich gefragt, wie ich ein Backup davon auf meinem Computer machen kann. Die Lösung war komplizierter, als ich dachte. Um es kurz zu machen: Ich musste eine CFFA3000-Erweiterungskarte besorgen. Wer sich mit dem Apple II auskennt, weiß, dass die sehr schwer zu finden und wahnsinnig teuer ist. Zum Glück hatte ich einen Freund in den Vereinigten Staaten, der mir geholfen hat und mir seine Karte für wenig Geld verkauft hat. Damit konnte ich in wenigen Sekunden ein Image erstellen und im Internet hochladen.

Wie ausgiebig hast du „A World Divided“ und „Egypt“ gespielt? Was hältst du von diesen inoffiziellen Erweiterungen?

Ich muss gestehen, dass ich sie nie durchgespielt habe. Ich bin nur durch einige Städte und Dungeons gewandert, hatte aber nie die Zeit, Karten zu zeichnen. Ich habe noch nicht alle Ultima-Spiele durchgespielt und das ist es, was ich zuerst machen möchte. Aber ich will die Ultima-Erweiterungen definitiv noch spielen.

Von den verbleibenden drei Szenarien – „Pirate World“; „Spaceship Crash“ und „Rule of the Slave Lords“ – von welchem hoffst du, dass es als nächstes gefunden wird und welches möchtest du selbst spielen?

Ich denke „Spaceship Crash“ klingt am interessantesten, vielleicht weil ich die Science Fiction-Teile in Ultima I & II oder das Kilrathi-Raumschiff in Ultima VII immer geliebt habe.

Die Wiederentdeckung von Ultimore und Wizimore

Natürlich musste ich versuchen, den ursprünglichen Designer von Ultimore, Joel, Fenton, zu erreichen. Schlimmstenfalls würde er mich ignorieren, aber bestenfalls würde er mir zustimmen, dass es an der Zeit ist, diesen Teil der Videospiel-Geschichte zu teilen und zu konservieren.

Ich schrieb ihm eine E-Mail.

Er antwortete.

Joel informierte mich, dass alle paar Jahre jemand an seine Tür klopft und nach den Ultimore/Wizimore-Erweiterungen fragt. Er bestätigte, dass er immer noch die originalen Apple II-Disketten mit allen Erweiterungen hat und dass er sich wünschen würde, sie in Image-Dateien zu konvertieren und dass dafür nun die richtige Zeit sei.

Er ist also dazu bereit, Kopien seiner Erweiterungen zu teilen.

Das bedeutet, dass die drei verlorenen Ultimore- und die beiden verlorenen Wizimore-Erweiterungen in naher Zukunft in Händen der Gamer sein werden. Idealerweise gelangen Kopien der Disketten zu Tobias, damit er sie mit Hilfe der CFFA3000-Karte in Image-Dateien konvertieren kann. Joel hat vielleicht seine eigene Methode. So oder so wird sich eine Lösung finden lassen.

Joel besitzt außerdem eine Reihe originaler Dokumente, mit der Hand gezeichnete Karten, Produkt-Kataloge und vielleicht noch mehr. Hoffentlich können wie diese scannen und ebenfalls teilen.

Joel hat außerdem einige Anekdoten mit mir geteilt über die Zeit in den 80ern, in der er die Ultimore- und Wizimore-Erweiterungen gemacht und verkauft hat. Ich glaube es ist am besten, wenn wir den Großteil dieser Anekdoten für einen genaueren und längeren Artikel aufsparen. Aber Joel hat eine spezielle Story erzählt, von der ich glaube, dass du sie amüsant finden wirst:

Ich hatte kurz Kontakt mit Richard Garriott, während ich die Disketten Mitte der 80er verkaufte. Wenn ich mich recht erinnere, schickten mir sowohl Sir-Tech als auch Origin Geld, um Kopien der Erweiterungen zu kaufen. Richard Garriott persönlich war derjenigen, der mir die Anfrage schickte und den Scheck unterschrieb. Lord British schrieb mir zurück auf eine freundliche Art und Weise, er tadelte mich lediglich, weil ich die Schlange (so wie sie, glaube ich,  von seiner Mutter Helen gezeichnet wurde) als Clip-Art in meiner Dokumentation oder meinem Katalog verwendet habe. Ich entfernte das Schlangen-Artwork aus meinem Material daher auf seinen Wunsch hin. Ich müsste den Brief noch irgendwo haben. Ich bin mir sicher, dass er sich nicht daran erinnern wird, aber ich war ziemlich beeindruckt als 17- oder 18-jähriger Jugendlicher.

– Joel Fenton (E-Mail)

Ich denke es wäre unglaublich cool, Joel und Richard gemeinsam in einem Zoom-Call zusammenzubringen, oder? Es scheint, als stünden die Monde in einer günstigen Konstellation in letzter Zeit; also wer weiß, was noch alles möglich ist?

Wie geht’s weiter?

Die Zeit des Müßiggangs ist nun vorbei. Du wärest nicht hier, hörtest du nicht das Gebrüll der Kriegshörner in der Ferne oder spürtest du nicht in deinem Blut den Schrei deiner Angehörigen in bitterer Not. Du wurdest berufen und diese Berufung lässt dir keine Wahl. Sie ist deine Pflicht und dein Schicksal.

Nun, liebe Leserin und lieber Leser, warten wir ein wenig weiter. Ich werde weiterhin „A World Divided“ spielen und kartographieren. Ich bin mit diesem epischen Abenteuer fast zu Ende, wahrscheinlich schaffe ich es noch in dieser Woche, hoffentlich direkt im Stream. Wenn ich das geschafft habe, möchte ich ein ZIP-File erstellen mit dem originalen Disk-Image, der originalen Dokumentation zur Erweiterung, meinem modifizierten Disk-Image mit den Karten-Fixes, allen meinen Karten im PNG-Format, einem Begleit-PDF mit Kommentaren zu jedem Ort und der original EXCEL-Tabelle, in der ich die Karten erstellt habe, damit sie auch verändert werden können.

In der Zwischenzeit werde ich weiter Kontakt haben mit Joel und Tobias hinsichtlich der Bergung der verlorenen Erweiterungen und natürlich auch jeder Art von Dokumentation, Karten und Bildern, die Joel findet.

Ich möchte außerdem in Kontakt treten mit FractalMindMike und schauen, ob er oder seine Freunde Glück beim Versuche hatten, die Disk-Images zu „reverse-engineeren“. Wenn das nicht funktioniert, könnten sie oder jemand anders ein „Construction Kit“ für die PC-Version von Ultima III erstellen und sie/du/jemand könnte die Bilder der Karten der Apple II-Version des Spiels nehmen und sie im PC nachbauen. Ich glaube immer noch, dass die PC-Version der beste Weg wäre, um Ultimore und Wizimore zu verbreiten, einfach aus dem Grund, weil man die Spiele bei GOG kaufen kann. Nun, zumindest Ultima.

Tobias hat außerdem vorgeschlagen, die Nachricht vom Fund der Erweiterungen etwas weiter und lauter zu verbreiten. Ich glaube er möchte das „Retro Gamer“-Magazin in Deutschland kontaktieren. Er hat natürlich absolut recht. Mein kleiner Blog wird diese Aufgabe nicht erfüllen können. Es ist interessant zu sehen, wie viele glühende Ultima-Fans noch nie von Ultimore gehört haben, mich bis vor kurzem eingeschlossen.

Die vor dir liegende Aufgabe wird nicht einfach sein – die Nachricht über Ultimore (und Wizimore) nah und fern verbreiten!

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