Einladen, ermutigen und inspirieren


Der Podcast „SWR2 Aula“ bietet immer wieder interessante Vorträge und die dazugehörigen Manuskripte kostenlos zum Download an.

Für Lehrer besonders inspirierend fand ich den Beitrag von Gerald Hüther: „Projekt Gesundheit – Wie ändere ich mein Verhalten?“

Die Antwort des Neurobiologen und Psychiaters auf diese Frage lautet zunächst einmal: Das Verhalten von Menschen lässt sich weder durch Appelle, Belehrungen oder positive Bestätigungen ändern

Diese überraschende These begründet Hüther damit, dass Verhalten immer eine Folge der inneren Haltung ist. Will man also Verhalten ändern, muss man bei der inneren Haltung anfangen.

Nun folgt der aus meiner Sicht entscheidende Abschnitt des Vortrags, den ich im O-Ton zitiere:

„Jetzt haben Sie aber ein Problem: Denn Sie können einen Menschen nicht dazu zwingen, eine andere, günstigere Erfahrung zu machen. […] Sie können einen anderen Menschen, wenn Sie möchten, dass er sich verändert, nur einladen. Wenn das noch nicht reicht, ermutigen. Und wenn das immer noch nicht genug ist, können Sie versuchen, ihn zu inspirieren. Einladen, ermutigen und inspirieren – darauf kommt es an.“

Das Gehirn, so Hüther weiter, wird nämlich entgegen der gängigen Meinung nicht so, wie man es benutzt, sondern so, wie man es mit Begeisterung benutzt. Kinder sind intuitiv begeistert, in der Schule ist es mit dieser Begeisterung jedoch schnell vorbei.

Was es braucht, um Begeisterung zu wecken, macht Hüther am Beispiel eines Krankenhauses mit einem „guten Geist“ deutlich, das bedeutet „vom Hausmeister bis zum Chefarzt tun alle ihr Bestes, um den Patienten das Gefühl zu vermitteln, dass sie in diesem Haus willkommen sind, dass sich jeder anstrengt, mit seinen Fähigkeiten dazu beizutragen, dass die Patientin oder der Patient wieder gesund werden kann. Das ist der gute Geist eines Krankenhauses.“

Wie aber müsste eine Schule mit einem „guten Geist“ aussehen? Sie müsste ein einladender Ort sein, an dem jeder sein Bestes tut, um Schüler zu ermutigen und zu inspirieren; nur so übt Schule tatsächlich einen positiven Einfluss auf die innere Haltung aus, nicht durch Appelle oder Belehrungen.

Das hört sich zunächst banal an, aber nähme man diesen Gedanken in der Lehrerausbildung ernst, würde er zu einem radikalen Umdenken in Bezug auf die Aufgaben eines Lehrers führen: Er sollte nicht belehren, sondern einladen. Wird diese Einladung abgeschlagen, soll er nicht schlechte Noten verteilen oder mit Disziplinarmaßnahmen drohen, sondern Schüler weiter ermutigen und versuchen, sie zu inspirieren.

2 Kommentare zu “Einladen, ermutigen und inspirieren

  1. In seinem Vortrag in der Urania am 2.4.2012 hat Gerald Hüther ebenfalls dargelegt, dass es seiner Meinung nach um das Einladen, Ermutigen und Inspirieren geht und dass Strafen und Belohnen zwei Seiten einer Medaille sind, die aber nicht wirklich tiefgehendes, veränderndes Lernen bewirken. Diese Erkenntnisse sind so einleuchtend und so wohltuend und eigentlich mittlerweile auch schon ziemlich weit verbreitet. Warum nur kommen sie in den Schulen nicht an??

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