So müssen medienpädagogische Fortbildungen aussehen


Normalerweise lohnt es sich ja nicht, über eine Lehrerfortbildung einen längeren Blogeintrag zu schreiben. Heute aber fand eine Fortbildung zum Thema „Methoden praktischer Filmbildung in der Schule“ in Marl statt, die nicht nur abwechslungsreich und perfekt organisiert war, sondern auch für diejenigen, die sich etwas besser im Bereich der Medienpädagogik auskennen, eine echte Bereicherung war.

Die Veranstaltung begann mit einem Impulsreferat von Georg Kerl, Schulleiter des Gymnasiums Altona in Hamburg. Er stellte vor, wie er zwar an der Einführung eines eigenen Faches „Filmdreh“ an seiner Schule gescheitert ist, dafür aber das Planen, Drehen und Schneiden von Filmen fest im Lehrplan seiner Schule verankert hat. In zwei Jahren lernen die Schüler der Oberstufe im Fächerverbund (Kunst, Musik, szenisches Spiel), wie man ein Storyboard erstellt oder welchen Effekt man mit der Montage erreichen kann. Dazu werden im Kunstunterricht Filmplakate erstellt und sogar filmische Architektur ist Teil des Curriculums. Anhand ausgewählter Szenen aus Hitchcock-Klassikern stellte er nachvollziehbar vor, wie filmisches Erzählen funktioniert und was Filmarbeit in der Schule alles leisten kann.

Christine Preuß präsentierte anschließend, wie man mit Stummfilmen im Unterricht arbeiten kann. Dazu verwendet sie historische Filme der Brüder Lumières und stellte vor, wie sie mit diesen Filmen im Unterricht arbeitet und Schülern so die Grundlagen der Filmästhetik beibringt. (An dieser Stelle erlaube ich mir einen kurzen Hinweis auf meine eigene Unterrichtseinheit zum Stummfilm Metropolis.)

Hubert Schick, Kameramann beim WDR, zeigte anschließend, worin die Arbeit eines Kameramanns besteht. Anhand von Bildern einer aktuellen WDR-Produktion, die Anfang nächsten Jahres ausgestrahlt wird, führte er anschaulich vor Augen, wie aufwändig moderne Filmproduktionen sind. So wurde beispielsweise Im Detail eine Szene vorgestellt, für die ein Teil des Kölner Doms 1:1 im Studio nachgebaut werden musste. Anschließend wurde nachträglich mit Hilfe des Greenscreen-Verfahrens die zuvor fotografierte Stadtansicht digital in den Hintergrund eingefügt.

Am Nachmittag folgte eine Arbeit in Kleingruppen. In meiner Gruppe ging es darum, eine Szene aus dem Film „Der einzige Zeuge“ mit Harrison Ford nachzuspielen und jede Einstellung möglichst detailgetreu zu kopieren. Diese Methode eignet war mir neu und eignet sich m. E. hervorragend zum Einsatz im Unterricht, da sie den Blick für die Möglichkeiten des Films schärft, ohne sich zu viel mit der Theorie befassen zu müssen. Als Materialien wurden lediglich ein Laptop mit der Originalsequenz, ein Camcorder sowie wenige Requisiten zur Verfügung gestellt. Gedreht wurde in einem normalen Klassenzimmer.

Das Fazit dieser Veranstaltung fällt durchweg positiv aus: Endlich hat man nach einer Lehrerfortbildung mal wieder das Gefühl, nicht nur wertvolle Zeit abgesessen zu haben; man erhielt praxisnahe Tipps, hervorragende Materialien (die jedem Teilnehmer auf einem USB-Stick zur Verfügung gestellt wurden – klasse Idee) und interessante Vorträge. Alle Präsentationen, die am Vormittag gezeigt wurden, werden zudem demnächst im Internet veröffentlicht.

Und hier noch einmal kurz zusammengefasst das „Erfolgsgeheimnis“ dieser Fortbildung (bitte nachmachen!):

  • Viele brauchbare Materialien (dazu noch auf einem USB-Stick!)
  • Vortrag eines echten Profis aus der Medienbranche
  • Perfekte Organisation (genügend Getränke, Essen, Pausen, ideale Räumlichkeiten, funktionierendes Equipment)
  • genügend Zeit (nicht nur ein halber, sondern ein ganzer Tag)
  • Praktische Arbeit in Kleingruppen

Weitere Informationen zum Veranstalter der Fortbildung gibt es auf der Seite: www.filmundschule.nrw.de.

 

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