7 Thesen zum Thema OER


7 Jahre freie Unterrichtsmaterialien auf medienistik.de - Zeit für ein vorläufiges Fazit zum Thema OER

7 Jahre freie Unterrichtsmaterialien auf medienistik.de – Zeit für ein vorläufiges Fazit zum Thema OER

In dem COER13 Online Course geht es in der 5. Kurseinheit um OER-Materialien an Schulen und Hochschulen. Im Mittelpunkt steht u. a. die Frage: Wie können Lehrende dazu motiviert werden, ihre Lehrmaterialien als OER zu publizieren?

Da ich seit nunmehr 7 Jahren selbst kostenlose Unterrichtsmaterialien auf meinem Blog bereitstelle, möchte ich mich in die Debatte einbringen und 7 Thesen zum Thema OER zur Diskussion stellen, die dich, liebe Leserin/lieber Leser, hoffentlich zu einem kurzen Kommentar anregen.

OER ist in aller Munde

Derzeit gibt es so viele Veranstaltungen wie nie zuvor zu OER-Materialien. Besonders eine Frage steht dabei im Vordergrund: Wie bringe ich eigentlich jemanden dazu, kostenlos Arbeit zu verrichten, von der andere profitieren? Die Antwort? Gar nicht! Zu einer solchen Tätigkeit kann niemand überredet werden.

Das haben auch die Macher des Schulbuch-O-Mat gespürt. Nach ihren drei Wünschen gefragt, antworten Sie in am Ende eines Interview-Videos: „Beteiligung, Beteiligung, Beteiligung“. Dabei waren die Macher des ersten freien Schulbuchs durchaus bereit, auch finanzielle Anreize zu geben.

Im Gegensatz zu den Machern des Schulbuch-O-Mat sehe ich die Zukunft von OER-Materialien jedoch nicht in Schulbüchern. Mich selbst würde es ziemlich frustrieren, ein freies Deutschbuch herzustellen.

Es würde bei so einem Projekt nämlich in erster Linie darum gehen, bereits vorhandene Inhalte möglichst „kreativ zu kopieren“. Und warum sollte ich Themen bearbeiten wollen, zu denen es seit Jahrzehnten hervorragende Materialien gibt? Daher lautet meine erste These:

  • Schulbücher haben ihren Platz, sie benötigen einen enormen logistischen Aufwand in der Herstellung und eine komplexe Infrastruktur aus Autoren, Produzenten und Lektoren. Möglich, dass es in Zukunft immer öfter freie Schulbücher geben wird, aber wir werden kurzfristig keine Ablösung der Schulbücher durch OER-Materialien sehen.
  • OER bedeutet: Zeig der Welt, was du kannst. Ich brauche nämlich gar kein Deutschbuch als OER. Ich habe ein perfektes Deutschbuch mit Arbeitsheft, Lehrermaterial, fast fehlerfrei, kostenlos von der Schule gestellt, alle Schüler haben auch ein Exemplar. Was ich will sind Fragen und Anregungen zu einem tollen modernen Gedicht oder Roman, kreative Bastelanleitungen, spannende Experimente, interessante Ausflugsziele, gerne auch im experimentellen Status und „häppchenweise“ auf einem Blog.
  • OER ist eine Therapie gegen Burnout – Richard David Precht fordert in seinem neuen Buch, dass Lehrer ein halbes Jahr Zeit bekommen sollen, sich mit etwas zu beschäftigen, was sie wirklich interessiert, z. B. eine Reise in ein fremdes Land unternehmen. Diesen Vorschlag möchte ich aufgreifen und hinzufügen: Stellt die Fotos und Materialien online, zeigt, wofür Ihr euch als Lehrer interessiert. Und das geht auch, ohne dass man ein halbes Jahr frei bekommt.
  • OER ist Teil der Bildungsrevolution: Ken Robinsons erfolgreichster Vortrag lautet: „bring on the learning revolution“. Auch Richard David Precht sieht das Schulsystem kurz vor dem Kollaps. OER aktualisiert den Unterricht, führt weg von den Lehrplänen und öffnet den Raum für neue Ideen.
  • OER-Materialien haben Herz, denn bei ihrer Erstellung stand nicht die Frage im Vordergrund, was der Lehrplan will, sondern die, wofür ich brenne, was mich antreibt. Jedes OER-Arbeitsblatt ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, etwas Wichtiges zu sagen. Von Schulbüchern lässt sich das nicht unbedingt behaupten.
  • OER ist keine Religion, daher sollten keine endlosen Diskussionen darüber geführt werden, mit welcher Software OER-Materialien erstellt werden dürfen oder in welchem Format sie vorliegen müssen. Ich habe mich beispielsweise dazu entschieden, das Lehrerheft für mein Themenheft zum Roman „Nichts“ nur Lehrern zugänglich zu machen, da dort alle Lösungen und auch Klausurvorschläge zu finden sind. Ist das noch Open? Mir doch egal!
  • Mit OER lässt sich kein Geld verdienen, aber es gibt einen viel stärkeren Anreiz: gegenseitiger Austausch und das Gefühl, etwas bewegen zu können. Daniel H. Pink greift diesen Punkt in seinem Buch „Drive. Was Sie wirklich motiviert“ auf. Er teilt Anreize ein in „Motivation 1.0“ (Überlebenstriebe), „Motivation 2.0“ (Gutes belohnen, Schlechtes bestrafen – die gängige Praxis in den meisten Unternehmen) und „Motivation 3.0“ (Einen Sinn in dem finden, was man tut). Wer etwas mehr Zeit hat, kann sich den Vortrag „What Can We Learn From Open Source“ von Steve Fisher anschauen, in dem es auch um die Frage geht, was Menschen dazu motiviert, sich ohne Geld für eine bedeutungsvolle Sache einzusetzen.

2 Kommentare zu “7 Thesen zum Thema OER

  1. Ich für meinen Teil hoffe, dass sich frei zugängliche Materialien so entwickeln, wie es Linux einst getan hat. Es geht nicht darum, viel zu publizieren, aber Referendare im Besonderen können sich doch an neuen Methoden ausprobieren. Hoffentlich wird dabei das interdisziplinäre Arbeiten nicht außer Acht gelassen.
    Grüße,
    Max

  2. Pingback: OER Award 2016 in der Kategorie MINT « Medienistik Blog

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