Dichtung und Wahrheit – Ist der Hype um den Calliope mini gerechtfertigt?


Schon jetzt sagenumwoben: Der Calliope

Bereits jetzt sagenumwoben: Der Calliope mini

Der Name hätte nicht besser gewählt werden können: Calliope, die Muse der Dichtkunst, ist Namenspatronin des neusten Gadgets für die digitale Bildung, um das sich bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin Mythen und Geschichten ranken.

So bezeichnete etwa Patrick Beuth das Gerät in der ZEIT als: „[d]ie vielleicht größtmögliche Umwälzung des deutschen Schulsystems“. In der Welt schwärmte Andreas Fasel: „In Fachkreisen wird schon geraunt, der Calliope mini könne das Schulsystem revolutionieren.“ Weiterhin ist von einem „Computer für die gesamte Schulzeit“ die Rede.

Das Fazit all dieser Berichte lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Auch wenn solche Hofberichterstattung die Macher des Geräts sicherlich freut und auch ich über jede Initiative froh bin, die Kindern das Programmieren beibringen möchte, führen solche Berichte weniger gut informierte Leserinnen und Leser in die Irre, da sie falsche Vorstellungen von der kleinen Platine und deren Einsatzmöglichkeiten bekommen.

Selbst die Bundesregierung setzt falsche Informationen zum Calliope in die Welt. Sie schrieb am 18. November auf ihrer Internetseite: „Auf der handflächengroßen, sternförmigen Platine sind verschiedene Funktionen, wie beispielsweise ein Kompass, ein Mikrofon, ein Prozessor und zwei Motoren angebracht.“  Diese Motoren müssen sehr klein sein, ich habe sie bislang jedenfalls nicht entdecken können.

Die Muse der Dichtkunst hat also ganze Arbeit geleistet, aber was steckt nun wirklich in dem Gerät? Ist es die erhoffte Revolution der digitalen Bildung?

Was ist der Calliope mini?

Schon die Bezeichnung als „Computer“ ist für IT-Laien missverständlich, passender wäre vielmehr die Bezeichnung „Mikrocontroller“, denn der Calliope lässt sich nicht – wie etwa der Raspberry Pi – autonom nutzen, sondern setzt die Verwendung eines Computers oder Smartphones/Tablets voraus.

Auf dem Board befinden sich mehrere Sensoren, etwa zur Bestimmung der Lage im Raum, sowie zwei Knöpfe und ein rudimentäres Display, bestehend aus 25 roten LEDs. Nach Meinung der Macher soll dies „unzählige kreative Möglichkeiten“ eröffnen.

Auch wenn die Platine noch nicht offiziell erhältlich ist, lässt sich der Informationsgehalt solcher Werbeversprechungen recht gut überprüfen, denn der Calliope mini ist – entgegen mancher Behauptungen in der Presse – keine komplette Neuentwicklung. Er ist vielmehr die Adaption eines Konzepts aus England.

BBC micro:bit und CodeBug

Der CodeBug (Bildquelle: www.codebug.org.uk/whatiscodebug)

Der CodeBug (Bildquelle: http://www.codebug.org.uk)

Die direkte Vorlage ist der BBC micro:bit. Dabei handelt es sich um eine sehr ähnlich aufgebaute Platine, die von der englischen BBC zum Einsatz in Schulen entwickelt wurde. Der micro:bit wurde in einer Stückzahl von 1 Million hergestellt und kostenlos (auf Anfrage) an Schulen in England verteilt.

Auch der Calliope mini soll kostenlos an alle Drittklässler verteilt werden. Ab Februar 2017 soll im Saarland jedes Schulkind der dritten Klasse ein Exemplar bekommen. Zielgruppe des micro:bit waren jedoch Kinder der „Year 7“-Stufe (ungefähr 11 Jahre). 29 Partner waren in England bei der Konzeption und Herstellung involviert, u. a. Microsoft und Samsung.

Das folgende Video gibt einen kurzen Überblick über den BBC micro:bit:

Interessant ist, dass bereits beim micro:bit Bedenken geäußert wurden, ob das Gerät überhaupt nötig sei:

Why is it that every initiative to teach programming seems to involve launching yet another new piece of hardware? Don’t we have enough Pis, Androids and PCs to do the job?

Calliope und micro:bit im Vergleich

Calliope und micro:bit im Vergleich

Bei einem Test auf golem.de hat die Platine zudem nicht besonders gut abgeschnitten. Unter der Überschrift „Schulrechner muss noch dazulernen“ wurden vor allem die mangelhafte Software und Fehler in der Bluetooth-Hardware bemängelt.

Nach eigenen Angaben standen die Entwickler des Calliope mini in engem Kontakt mit dem micro-bit-Team, daher bleibt zu hoffen, dass sie aus den Fehlern gelernt und das Gerät ausgiebig getestet haben, so dass es im Klassenzimmer reibungslos funktioniert.

Aber selbst der BBC micro:bit war keine völlige Neuentwicklung. Ihm ging der „CodeBug“ voraus, der am 13. April 2015 über Kickstarter finanziert wurde. Auch der CodeBug ähnelt dem Calliope stark, er besitzt ebenfalls 25 LEDs, 2 Knöpfe und einen microUSB-Anschluss, darüber hinaus bietet er eine Anschlussmöglichkeit für den GPIO-Port des Raspberry Pi. Auch der CodeBug wurde auf Golem ausführlich getestet. Das folgende Video gibt einen kurzen Überblick über die wesentlichen Features:

Alter Wein in neuen Schläuchen

Der Calliope beim IT-Gipfel (Bildquelle: Twitter - @BMWi_BUnd)

Der Calliope beim IT-Gipfel (Bildquelle: Twitter – @BMWi_Bund)

Wer also das Angebot an elektronischen Gadgets für die Schule in den letzten Jahren etwas verfolgt hat, den kann der Calliope mini nicht wirklich begeistern, denn er bietet gegenüber dem CodeBug und dem micro:bit kaum Neuerungen.

Auch die didaktischen Konzepte, die u. a. vom Cornelsen-Verlag erarbeitet wurden, sind recht uneinheitlich. Es gibt beispielsweise Materialien der Bergisches Universität Wuppertal, die recht anspruchsvoll sind. Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse sollen darin z. B. folgende Aufgabe bearbeiten:

„Versuche – mithilfe der kennengelernten Kontrollstrukturen – einen Algorithmus zu formulieren, der sich um die Bewässerung einer Topfpflanze kümmert“

Die Unterrichtseinheit zur Pflanzenbewässerung bleibt außerdem in der Theorie hängen. Man hat am Ende nicht wirklich eine Pflanzenbewässerung gebaut, sondern lediglich theoretisch erarbeitet, wie sie aussehen könnte.

Zudem fällt auf, dass es sich bei fast allen Unterrichtsprojekten um Nachbauten ganz ähnlicher Versuche handelt, die es bereits beim CodeBug gab. Hier ist etwa ein Video, das die Überwachung der Pflanzenbewässerung mit dem CodeBug und einem Raspberry Pi zeigt:

Gleiches gilt für das Material zum Programmieren eines digitalen Würfels. Hier die Materialien von Cornelsen (S. 10), hier das Original von der CodeBug-Seite.

Ein weiteres Beispiel: Die Programmierung eines Countdowns: Hier das Original und hier die Version von Cornelsen (S. 14).

Weitere Materialien, die auf der Internetseite des Calliope angeboten werden, sind sowohl optisch als auch inhaltlich ganz anders gestaltet. In einigen Arbeitsblättern, etwa zum Anschluss des Calliope, werden auf den Bildern zwar Kinderhände gezeigt, trotzdem wird der Leser gesiezt. Bei Cornelsen heißt es „Der Calliope“, auf der offiziellen Internetseite hingegen „Das Calliope“.

Too young to Pi?

Im Zusammenhang mit dem Calliope mini wurde immer wieder auch der Raspberry Pi erwähnt. Er wird etwa von Beuth in der ZEIT als „vergleichbarer Kleincomputer“ bezeichnet, jedoch sei der Calliope „besser ausgestattet und speziell für den Gebrauch im Schulunterricht konzipiert.“

Die Professorin Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung und eine der Köpfe hinter dem Calliope, äußerte sich auf Twitter ebenfalls zum Pi:

Auf Grundlage meiner nunmehr ca. vierjährigen Arbeit mit dem Pi in der Schule und in Workshops muss ich beiden Aussagen widersprechen. Vor allem, dass der Calliope „besser ausgestattet“ sei, ist kaum nachvollziehbar. Schließlich hat der Raspberry Pi WLAN und Bluetooth verbaut, 4 USB-Anschlüssen, einen Netzwerk-Anschluss sowie Anschlussmöglichkeiten für eine Kamera und ein Display.

Aber der Vergleich von Calliope und Raspberry Pi ist ohnehin schwierig, da die Geräte völlig andere Ansätze verfolgen. Der Pi ist ein vollständiger Computer, auf dem sich unterschiedliche Betriebssystem installieren lassen, u. a. Raspbian mit integriertem Browser, Office-Paket und E-Mail-Client.

Aber auch die Aussage, dass der Pi zu kompliziert für Grundschulkinder ist, stimmt nicht. Beispiele gefällig? Hier erklärt der siebenjährige Philip, wie er sein erstes Spiel auf dem Pi programmiert hat, Arnav Sharma, 9 Jahre alt, hat mit dem Pi einen Asthma-Monitor entwickelt, die siebenjährige Amelia hat zusammen mit ihrem fünfjährigen Bruder eine „Bienenbox“ gebastelt und programmiert und hier erklärt die ebenfalls 7 Jahre alte Hannah, wie sie mit ihrem Vater einen Raspberry Pi zum Amazon Echo umgebaut hat:

Unklar ist für mich zudem, warum ein Mikrocontroller, der immer die Bedienung eines Computers voraussetzt, leichter zu bedienen sein soll als der Pi, der gerade durch die neue Pixel-Software (die es jetzt übrigens auch für jeden PC gibt) nicht schwerer zu bedienen ist als jeder andere PC. Programme wie Scratch (das ja vom MIT speziell für Grundschulkinder konzipiert wurde) und Minecraft begeistern auch junge Kinder und eignen sich hervorragend dazu, zu verstehen, wie Computer funktionieren und wie man sie programmiert.

Fazit

Der Calliope ist ein faszinierendes Gadget und wird für viele Grundschulkinder den Einstieg in die Welt des Coding bedeuten. Vielleicht wird auch der Traum von Maxim Loick aus dem Calliope-Team wahr, der gerade auf seinem Blog geschrieben hat:

„[V]ielleicht trage ich gerade meinen kleinen Teil dazu bei, die Welt zu verbessern – vielleicht nicht die ganze Welt, aber vielleicht die von einem Mädchen, das eines Tages sein eigenes datengetriebenes Geschäftsmodell auf die Straße bringen wird.

Ähnlich äußerte sich in einem Interview mit WIRED auch Jessica Cecil, verantwortlich für das „Make It Digital“-Projekt der BBC:

„My vision is someone sitting as my successor in 30 years‘ time, pointing to people who have careers in digital creativity as a result of what we’re doing now, just as happened with the BBC Micro.“

Der Calliope wird sicherlich von vielen Grundschülerinnen und Grundschülern als auch deren Eltern begeistert angenommen werden. Eine Revolution des Bildungswesens – wie es die ZEIT vermutet – ist er jedoch nicht einmal ansatzweise. Das Konzept ist bekannt, ähnliche Hardware hätte auch vorher schon von Grundschulen angeschafft werden können.

Schwer zu toppen: Der Raspberry Pi

Schwer zu toppen: Der Raspberry Pi

Als Lehrer würde ich zudem weiterhin jedem (auch jeder Grundschullehrerin und jedem Grundschullehrer) dazu raten, den Einstieg in die Welt des Coding mit dem Raspberry Pi zu wagen. Das Gerät ist in Bezug auf Hard- und Software absolut ausgereift, es gibt unendlich viele Materialien und Projektideen für jedes Alter und man braucht vor allem keinen zusätzlichen PC, um den Pi in Betrieb zu nehmen.

Mittlerweile wurden über 11 Millionen Pis verkauft, von der kostenlosen Zeitschrift The Mag Pi gibt es bereits über 50 Ausgaben voll mit Tipps, Bastel- und Programmieranleitungen. Dutzende Anbieter haben Zubehör für den Pi entwickelt, das günstigste Modell Pi Zero kostet mit 5,- Euro nur einen Bruchteil des Calliope und ist gleichzeitig ein vollwertiger Computer, auf den der Calliope-Werbeslogan „unzählige kreative Möglichkeiten“ viel besser passt als auf den Calliope selbst.

Zudem gibt es rund um den Pi eine riesige Community – am 14. Januar 2017 findet etwa das Pi-and-More-Treffen an der Universität in Krefeld statt, bei dem sich Bastler, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Programmierer treffen und voneinander lernen können.

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Tolles Pi-Projekt: einen Joystick basteln und programmieren

Ich veranstalte selbst gerade einen wöchentlichen Workshop mit Grundschulkindern, die sich ihren eigenen Controller für den Pi basteln und mit Scratch programmieren.

Überfordert fühlt sich hier niemand und gleichzeitig kann man den Kindern anhand des Pi erklären, wie Computer funktionieren, denn der Pi ist der Computer und man benötigt nicht wie beim Calliope zwei Geräte, eines davon ein herkömmlicher PC mit allen damit zusammenhängenden Problemen, angefangen bei der Wartung über die Softwarelizenzen bis hin zum Virenschutz.

Aber was hältst Du vom Calliope? Ist er ein Schritt in die richtige Richtung? Schreib doch einfach einen Kommentar unter diesen Artikel, um Dich an der Diskussion zu beteiligen!

Weiterführende Links:

34 Kommentare zu “Dichtung und Wahrheit – Ist der Hype um den Calliope mini gerechtfertigt?

  1. Hallo, danke erstmal für den ausführlichen Review. Ich verstehe zwar die Haar-in-der-Suppe Attitüde nicht so ganz, aber es ist vermutlich müssig darauf einzugehen. Nur so viel: wir sind mit dem Projekt noch am Anfang und es ist noch nicht alles perfekt. Tut uns leid. Vermutlich haben viele der in diesem Sinn Kritisierenden hervorragende Projekte in der Mache, die alle noch den nötigen Perfektionsgrad erreichen müssen um bekannt gegeben werden zu können…😉
    Zum Raspberry Pi. Der Vergleich ist tatsächlich schwierig, aber es kann für mich keinen Zweifel daran geben, dass er für den _flächendeckenden_ Einsatz in der Grundschule nicht geeignet ist. Klar in einer besonders betreuten AG oder in einem Projekt, aber um SchülerInnen im ganz normalen Sach-Unterricht einen einfachen Zugang zu digitalen Arbeitsmitteln zu geben, ist er definitiv ungeeignet. Bzw. andersrum gefragt: wenn er so gut geeignet ist, warum sehen wir dann keinen flächendeckenden Einsatz, auch nicht in UK?
    Ein anderer Aspekt ist, dass der RPi auch schlicht zu teuer wäre, denn in Kombination mit dem nötigen Zubehör und einer Grundausstattung an Sensoren und Aktoren kommt man schnell jenseits von 100EUR. Und hat dann ein Sammelsurium von Kabeln und Steckverbindern, wo ich einfach mal sehen möchte, wie das in 25-facher Ausfertigung in einer normalen Land-Grundschule so funktionieren soll…

    • Stephan, das Problem ist nicht die „Komplexität“ des Raspi und wie sie alle heißen, weshalb sie nicht genutzt werden, sondern das Personal. Aber das soll jetzt nicht als Vorwurf ans Personal verstanden sein, sondern das ist einfach die Herausforderung. Der Fokus muss *viel stärker* dahin gerichtet werden!! Der Calliope wird genauso scheitern, wenn man das nicht *zentral* berücksichtigt. Dann werden zwar viele Kinder so einen Calliope-Controller besitzen, aber kaum was damit anfangen können, falls sie nicht fähige Freunde oder Eltern haben.

      BTW Ich kenne zahlreiche Lehrerinnen (und Schulsekretärinnen!!) die eine Überschrift über die Leertaste zentrieren. Merkt ihr das Problem? 😉

      • Schon klar, Personal und Begleitmaterial sind Schlüsselthemen. Das haben wir auch nie anders gesagt. Und deswegen wird im Saarland gerade mit einem Team von lokalen Grundschul-LehrerInnen an einer Qualifizierungs-Massnahme für das Personal gearbeitet und an speziellem Begleitmaterial – bevor die Boards ausgeteilt werden. Aber selbst mit geschultem Personal halte ich den RPi im Vergleich zum Calliope (oder microbit/codebug) für deutlich unterlegen. Der ist für die weiterführende Schule geeignet, nicht für die Grundschule (wie gesagt, unter dem Aspekt „flächendeckend im Regelbetrieb“).

    • Na ja, die Frage ist ja auch erst einmal, ob der Einsatz in der Grundschule wirklich so sinnvoll ist. Aber wenn man dort schon mit Computern arbeitet, dann könnte man auch gleich den Pi nehmen. Der hat auch nicht mehr Kabel als ein normaler PC und für den Anfang reicht es zum Beispiel völlig aus, einen SenseHAT auf den Pi zu stecken, dann hat er ein schönes buntes Display zum Anzeigen und viele der Sensoren, die der Calliope auch hat.
      Und zu den Kosten: Ein Calliope alleine reicht ja nicht aus – jede Schülerin und jeder Schüler benötigt ja noch einen PC, an dem er arbeiten kann, der sicherlich deutlich teurer als ein Raspberry Pi ist. Du kannst daher Pi und Calliope wirklich nicht auf diese Weise gegenüberstellen.
      Ich bin übrigens ein großer Freund des Unfertigen und Nicht-Perfekten. Es geht mir gar nicht darum, dass der Calliope nicht perfekt ist, aber Du gibst mir vielleicht recht, dass man der Berichterstattung in der ZEIT und Welt mal eine etwas fundiertere und realistischere Einschätzung folgen lassen muss. „Größtmögliche Umwälzung des Schulsystems“ und „Revolution des Schulsystems“ ist schon ziemlich hochgegriffen oder wie siehst Du das? Was sollen denn Leute denken, die sich in dem Bereich nicht auskennen und das für bare Münze nehmen?

      • Die Einordnungen der Journalisten waren ein bisschen bold, das stimmt schon. Da sind wir selbst zusammengezuckt, als das rauskam. Aber so funktioniert halt Presse, vor allem online. Dass man jetzt als Gegenreaktion gleich versuchen muss so viele Inkonsistenzen und Unzulänglichkeiten des gerade gestarteten, ehrenamtlichen Projektes rauszufinden ist mir trotzdem befremdlich. Mir wäre es lieber alle würden gemeinsam daran arbeiten, dass Kinder mit guter digitaler Bildung versorgt werden.

      • Wenn es wirklich, wie Du schreibst, Inkonsistenzen und Unzulänglichkeiten sind, dann ist es ja vielleicht gut, wenn jemand darauf hinweist. Einen „Störer“ wie mich im Netzwerk zu haben, kann übrigens manchmal ganz praktisch sein – siehe hier: https://medienistik.wordpress.com/2010/11/22/bauen-sie-netzwerke-bauen-sie-systeme-die-storen/ Nur so kann man sich nämlich dem komplexen Thema „Digitale Bildung“ sinnvoll nähern und tragfähige Lösungen finden.

      • Reden wir von der 42,99 € SenseHAT Platine? On Top?

        Ich verstehe euch alle die Ihr Pi schreit – muss euch leider aber sagen, eine flächendeckende Verteilung mit Pis wird es so nicht geben. Schlicht weil man keine 1000+ Pis auf einmal kaufen kann. Man kann es sicher versuchen aber wird wahrscheinlich scheitern. Haben es versucht mit BQ für die 3DDrucker als Kerncomputer, macht die Pi Foundation nicht. Just saying. Plus der Lizenzen Frage wenn man einen Pi mit Betriebssystem ausliefert – oder eben gleich mit Monitor + Kabel, dann ist nämlich Altgeräte Rücknahme wieder ein Thema, been there, done that.

        Smartphone hat jeder inzwischen und mit OTG Adapter geht (in Theorie, noch nicht getestet) auch Smartphone2Calliope – dass ist BYOD plus neuer Idee.

        Ja, der Ton der Publikationen ist Marktschreierisch, ja Arduino wäre eine Option WENN da nicht Breadboard und Co wären. Ist aber müssig – wir machen dass jetzt so und wenn es klappt kann man ja, Dank Open Source, immer noch forken.

      • Hm – OK, daran habe ich nicht gedacht. Flächendeckende Verfügbarkeit wäre aber sicherlich ein Pluspunkt für den Calliope. Ich bin aber eigentlich auch gar nicht unbedingt für eine einheitliche Lösung für alle Schulen. Ich persönlich finde den Pi toll und erzähle das auch jedem – ob er`s wissen will oder nicht – aber ich würde nicht alle Schülerinnen und Schüler damit ausstatten wollen. Es ist eben eine Option unter vielen. Ich bin übrigens auch gespannt, wie gut die Programmierung des Calliope mit dem Smartphone/Tablet funktioniert. Habe hier einen micro:bit rumliegen, bei dem war das eher schwierig.

  2. Hallo Tobias,

    mir erschließt sich der Hype um den Calliope Mini bisher auch noch nicht – vor allem aus meiner Perspektive als Grundschullehrer! Ich gebe dem genau so wenig Aussicht auf Erfolg wie andere Anstrengungen, Informatik intensiver in die Grundschule zu integrieren. Alles steht und fällt mit dem Personal. Und wer Ahnung hat „von Computern“ hat, geht in der Regel eben nicht in die Grundschule!

    Hier ein kleines Projekt von mir Raspi-Netzwerk : https://skolnet.de/raspberry-pi-netzwerk-in-der-grundschule/

    Ich weiß nicht, wie ich das mit Calliope Minis hätte realisieren sollen! 😉

    Gruß
    Marek

  3. Ich habe auchnoch viele unbeantwortete Fragen an @calliope:

    Habe ich z. B. eine Bewässerungsanlage gebaut, ist mein calliope dann nicht mehr nutzbar, weil blockiert. Wie löst man das dann? Gibt es unabhängige Klassengeräte?

    Ohne eigene Programmierung sind die Bildungsmöglichkeiten auf „Kabelstecken“ beschränkt, was jetzt nichts mit digitaler Bildung zu tun hat. Mit Programmierung braucht jeder noch ein weiteres Gerät zum Hacken. Und dann ist es wiederum finanziell fast egal, ob man einen pi oder einen calliope nimmt.

    Für grundlegende Programmierkenntnisse braucht man nicht zwingend Hardware. Bis man technisch so weit ist, dass Emulation nicht mehr ausreicht, ist die Schülerin technisch auch in die Lage zu versetzen, ein Controller zu verwenden, der bereits existiert und nicht didaktisch aufgeladen ist. Man kann man einen Controller nämlich nicht mit bunten Boxen ansteuern im echten Leben. Das suggeriert Lernenden eher, das Programmierung ein Kinderspiel ist. Programmierung hat verschiedene Ebenen. Hier wird lediglich eine sehr niedere angesprochen und diese noch sehr begrenzt.

    Nun noch ein Letztes: Die bisherigen Ideen wirken eher als nette gimmicks als wirkliche Anwendungsfälle. Wo IT wirkliche Innovation bereit hält, ist doch auf Softwareebene: Datenverarbeitung ist das, was Programmierung ausmacht und nicht das Ansteuern von irgendwelchen Sensoren. Schülerinnen leben in der digitalen Welt von Minecraft und YouTube und sollen keine Haustechniker werden. OneOurCode ist ein vieeeel kostengünstigeres Projekt was den Zweck besser erfüllt.

    • Thomas – richtig, man braucht nicht unbedingt eigene Hardware – und unsere Online-Editoren haben sogar sehr schöne Simulatoren eingebaut. Aber: pädagogisch ist – gerade bei den Kleineren – etwas zum anfassen, das leuchtet und Töne von sich gibt schon ein grosser Motivator und auch eine Lern- und Verstehenshilfe. Unsere Curriculums-Idee baut ja darauf auf, dass erstmal mit Strom gebastelt wird und kleine Schaltungen entworfen werden mit leitendem Klebeband (schon 1/2. Klasse). Der Calliope kommt dann als Weiterführung davon, wir haben beim Routing sogar extra darauf geachtet, dass man z.b. die Leiterbahnen vom Prozessor zu den LEDs gut erkennen und nachvollziehen kann. Dann kann man zu den Kindern sagen: das ist auch nur ein geklebter Stromkreis, nur in sehr klein. Und schon haben sie einen viel souveräneren Zugang zu der ansonsten unzugänglichen Technik…
      Und was das „Kabelstecken“ anbelangt: die Meinung teile ich nicht ganz. Natürlich ist es ideal, wenn Kids wirklich programmieren. Aber dabei geht es ja auch oft um Logik und eben komplexe elektrische Schaltkreise. Da kann man durchaus einiges erreichen mit den 25 vorinstallierten Programmen – und dann kommt man eben erstmal lange ganz ohne zusätzliche Computer aus.

      • 25 Programme sind vorinstalliert und lassen sich ohne Computer nutzen? Jetzt bin ich wirklich langsam gespannt darauf, den Calliope selbst in den Händen zu halten – scheint dann ja gegenüber dem micro:bit doch eine Weiterentwicklung zu sein.

      • In der aktuellen Version ist der Speicherbaustein für die 25 Programme noch nicht montiert, das wird erst im Release der Fall sein, dass im frühen Sommer zur Verfügung steht.

    • Natürlich ist die Platine „blockiert“, solange sie die Bewässerungsanlage steuert. Hier muss man dann entscheiden, ob es als Schulprojekt reicht, dass sie das zwei Wochen lang tut und dann wieder anderen Zwecken zugeführt wird, oder ob man halt eine Platine genau dafür kauft und dauerhaft einsetzt.

      Gerade dieses Gebiet des Steuerns und Regelns ist aber wichtig: Man muss heute ein Grundverständnis davon haben, wie es funktioniert, dass das Auto selbständig einparkt, wie es sein kann, dass man aus der Ferne Glocken läuten lassen kann oder wie die Heizungssteuerung erkennt, dass ich zu Hause bin.

      Gleichzeitig wird darin der gestaltende Aspekt von Informatik sichtbar. Alle diese Lösungen fallen ja nicht vom Himmel, sie werden von Menschen entworfen.

  4. Pingback: Calliope – eine Antwort auf einige Kritik | iTOtto

  5. Hallo Tobias,
    es ist leider im Moment Usus, dass für vieles getrommelt wird. Täglich erleben wir neue Wunder und -mittel zu allem.
    Ob Raspi, Arduino oder Calliope ist eigentlich egal. In einer Gruppe werden immer einige Kinder sehr weit kommen und andere mal gerade die Basics beherrschen.
    Das Wunderkind mit dem Asthmagerät ist nun auch nicht gerade repräsentativ.
    Ich erlebe gerade Informatikstudenten, gie ihr Studium alles andere als Turing-vollständig antreten.
    Mit welcher Hardware auch immer und wie gekupfert sie auch sein mag und sogar wenn sie noch kinderkrankheiten hat…. hauptsache es kommt Schwumg in die Schulen! Fangt doch jetzt endlich einfach mal damit an liebe SchulenDas meiste Gejammer ist doch eigentlich Blockade …. Angst vor der Technik ist gerade in (den Medien).
    Der Calliope hat für mich gegenüber dem Raspi den Vorteil, dass die LEDs und Sensoren schon drauf sind. Und er ist mit Batterie mobil. Ich denke da an lightpainting und mein Lieblingsprojekt Eierlaufen.
    Coden ist das eine … aber Kinder wollen dann auch mit dem Ergebnis etwas machen.
    Am Ende kommt es auch nicht auf die Hardware sondern auf die Lehrer an.
    Zunächst müssen diese nämlich motiviert werden. Das ist die grösste Hürde.

  6. Lieber Tobias,
    danke für Dein Drüberschauen und das Einsammeln, und überhaupt für Dein prima Blog:)

    Lieber Stephan Noller,
    Du kommentierst:
    „Die Einordnungen der Journalisten waren ein bisschen bold, das stimmt schon. Da sind wir selbst zusammengezuckt, als das rauskam. Aber so funktioniert halt Presse, vor allem online.“

    Dieses „Bold“- Sein habt Ihr selber vom Stapel gelassen.
    Ihr ward das.
    Ich finde es seltsam, dass Du das der „Presse“ (ham wa nichts mit zu tun) zuschiebst.

    Auszug aus der Mail an mich vom 14.11.2016:

    „Liebe Journalistinnen und Journalisten,
    wir freuen uns sehr, Ihnen die Revolution der digitalen Bildung an Deutschlands Grundschulen vorstellen zu dürfen: Den „Calliope mini.“

    Mit allem Respekt,
    Alles, was Ihr von Euch gebt, liest sich wie ne Spiegelkugel eines Clubs.
    Wer macht die Tür? Was kosten die Getränke?

    Mit freundlichen Grüßen,

    Martin Riemer

    (Kennt hunderte von Regalmetern mit vorsichhingammelter Hardware in Grundschulen)

  7. Pingback: Nationaler IT-Gipfel 2016 – Beitragsschnipsel |

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  9. Pingback: IoT Hackathon mini & experience auf der Bosch ConnectedWorld – die wissenskreateurin**

  10. Pingback: Calliope oder… was? – blog.minded.de

  11. Mir leuchtet nicht ein, warum die Kinder gleichzeitig Elektronik und Programmierung lernen sollen. Ich würde das lieber separat halten – zumindest am Anfang. Programmieren lernt man am besten am PC, und Elektronik lernt man am Besten mit etwas selbst gebautem, nicht mit so einer komplexen Platine, die man nie und nimmer selbst bauen könnte.
    Dann frage ich mich, warum man dritt-Klässler damit quälen will. Diese Kids sind viel zu klein, können nichtmal Englisch. Und dann sollen sie laut Uni Wuppertal auch noch Zahlen von Dezimal in Binär umrechnen, wobei sie auf Potenz-Rechnung setzen. Also Leute, das ist doch kein Lehrstoff für die Grundschule!
    Ich habe mir das Lehrmaterial vom Cornelsen Verlag angesehen. Offensichtlich bemüht sich der Verlag darum, die Lehrer auszubilden. Aber wie sie das komplexe Thema an die Kinder heran tragen sollen, dazu äußert sich der Verlag nicht. Es gibt kein einziges Beispiel für die Arbeitsunterlagen, die man den Kindern geben soll.
    Die Hardware finde ich auch sehr unzureichend. Da soll man Laufschriften und Zahlen auf einem extrem grob gerasterten Display anzeigen, auf das nur ein Buchstabe passt. Also ich würde mir als allererstes ein anständiges Display wünschen (mindestens 2×16 Zeichen LCD). Aber warum nicht gleich einen Touch Screen? Damit sind die Kids doch alle vertraut! Wenn man das weiter spinnt, muss man fragen: Warum nicht gleich das eigene Smartphone programmieren? Wer keins hat, bekommt eins von der Schule geliehen. Aber wie gesagt bitte nicht in der 3. Klasse, sondern frühestens in der 8. Klasse.

  12. Hallo Stefan,
    Warum (Grundschul-)Kindern das komplizierte rechnen beibringen, wenn nur die wenigsten Mathematiker werden?
    Warum (Grundschul-)Kindern mit Grammatik quälen, wenn nur die wenigsten Schriftsteller werden?
    Warum Kindern kein programmieren beibringen, wenn es heute kaum noch einen Beruf oder Lebensbereich gibt, der nichts mit IT zu tun hat (Dein Kommentar ist auch nicht mit dem Federkiel verfasst)?
    25 LEDs deshalb, weil sie die Phantasie der Kinder anregen anstatt sie mit der Programmierung eines 2×16-Zeichen LCD zu „quälen“ – das können sie dann in der 8. Klasse programmieren (wenn sie sich dann nicht längst an Ultra-HD versuchen).
    „Der Verlag äußert sich“ im „Arbeitsheft für den Calliope mini (cc-by-sa)“ wie er das „komplexe Thema“ an Kinder herantragen will. Binärcode habe ich keinen gefunden. Meine 8-jährige Tochter hat, ohne dass ich sie „quälen“ musste, alles verstanden (zuhause, freiwillig im „Selbstversuch“, da unsere Grundschule leider noch kein vergleichbares Programm hat).

  13. Pingback: Kritischer Vergleich zwischen Calliope, micro:bit, CodeBug und RaspberryPi – calliope-saarland.de

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